Bundeswehr, Ressortkonzept, Standort-Schließungen (Friedensratschlag)
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Scharpings Ressortkonzept: 39 größere und 20 kleinere Bundeswehrstandorte sollen geschlossen werden

Eine Übersicht nach Ländern

Am 29. Januar 2001 verkündete Rudolf Scharping sein mit Spannung erwartetes Ressortkonzept zur Verkleinerung der Bundeswehr von aktuell rund 315.000 auf künftig 282.000 Soldaten. Zwar hatte er im Vorfeld landauf landab versprochen, nur "Kleinststandorte" schließen zu wollen, das Ergebnos fiel aber doch etwas anders aus: Insgesamt werden 39 größere und 20 kleinere Bundeswehrstandorte geschlossen. Unter einem "Standort" versteht die Bundeswehr "eine Gemeinde oder Stadt, in der mindestens ein aktiver Truppenteil oder eine militärische Dienststelle stationiert ist". Wird das Ressortkonzept so umgesetzt, wie Scharping es vorsieht, wird es künftig noch 462 Standorte geben. Von den derzeit 166 "Kleinststandorten" mit jeweils bis zu 50 "Dienstposten" bleiben 74 erhalten. Sie werden als militärisch "unentbehrlich" eingestuft. Die Schließung der größeren Standorte ergibt sich aus "einem Kranz von Kriterien" (Scharping). Danach verliert zwar Bayern die meisten Standorte (worin die CSU einen politischen Anschlag sieht), liegt aber auch nach der Reform an der Spitze der Bundesländer. Gegen die Schließungsabsichten laufen nun Landräte, Bürgermeister und Wahlkreisabgeordnete der "betroffenen" Regionen Sturm, wobei es keinen Unterschied macht, ob die Politiker der CSU/CDU, der FDP oder der SPD angehören. Alle haben sie die Bundeswehr liebgewonnen und sehen in ihr einen wichtigen Wirtschaftsfaktor, insbesondere in ländlich strukturierten Regionen.

Im Folgenden dokumentieren wir Scharpings Schließungspläne in einer Übersicht, wie sie von diversen Nachrichtenagenturen verbreitet wurden. Die Vergleichszahl für die Dienstposten bezieht sich auf das Jahr 1995. Nicht aufgeführt sind Änderungen, die zu einer Aufstockung der Dienstposten in einzelnen Standorten führen.
  • Hamburg: Der Standort wird um 32 Prozent von 4180 auf 2830 Dienstposten verkleinert.
  • Bayern: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 19 Prozent von 71 696 auf 57 900. Geschlossen werden die Standorte Bad Aibling, Dillingen, Ebern, Graben, Günzburg, Heidenheim, Hemau, Kirchham, Kötzting, Lenggries, Memmingerberg, Rottenburg/Laaber und Weilheim sowie die Kleinstandorte Nersingen und Rimbach. Verkleinert werden darüber hin-aus die Standorte Bayreuth, Erding, Ingolstadt, München, Regensburg, Sonthofen und Wildflecken.
  • Thüringen: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 18 Prozent von 9891 auf 8100. Geschlossen wird in dem ostdeutschen Bundesland nur der Kleinstandort Kahla. Verkleinert werden die Standorte Bad Frankenhausen und Bad Salzungen.
  • Nordrhein-Westfalen: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 17 Prozent von 59 371 auf 49 000. Geschlossen werden die Standorte Goch, Hörstel, Holzwickede, Lennestadt, Waldbröl, Willich und Wuppertal sowie die Kleinstandorte Duisburg und Kranenburg. Verkleinert werden die Standorte Augustdorf, Coesfeld, Dülmen, Essen, Rheine und Siegen. In Essen und Siegen verbleiben nur die Kreiswehrersatzämter.
  • Niedersachsen/Bremen: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 16 Prozent von 69 138 auf 58 200. Geschlossen werden die Standorte Achim, Dörverden, Osterode (Harz), Seedorf, Stadtoldendorf, Wangerland und Werlte sowie die Kleinstandorte Emlichheim, Esterwegen, Giesen und Wietmarschen. Verkleinert werden die Standorte Braunschweig, Bremervoerde, Celle, Cuxhaven, Hildesheim, Lingen, Lüneburg, Oldenburg und Schwanewede. Davon verbleibt in Braunschweig nur das Kreiswehrersatzamt und in Lingen nur ein Fernmeldeposten mit 30 Dienststellen. In Bremen bleibt alles unverändert.
  • Rheinland-Pfalz: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 15 Prozent von 39 512 auf 33 600. Geschlossen werden der Standort Montabaur sowie die Kleinstandorte Naurath, Nünschweiler, Oberdiebach und Worms. Verkleinert werden die Standorte Koblenz, Mendig und Ulmen, wo nur eine Schule für Diensthunde verbleibt.
  • Hessen: Die Zahl der Dienstposten sinkt um 14 Prozent von 16 551 auf 14 200. Geschlossen wird der Standort Rotenburg an der Fulda. Von 1915 auf künftig nur noch 735 Dienstposten verkleinert wird der Standort Stadtallendorf.
  • Mecklenburg-Vorpommern: Die Zahl der Dienstposten sinkt um zwölf Prozent von 20 037 auf 17 600. Es entfällt der Standort Stavenhagen/Reuterstadt. Drastisch verkleinert von 1792 auf 55 Dienststellen wird künftig der Standort Eggesin, wo nur ein Facharztzentrum verbleibt.
  • Schleswig-Holstein: Die Zahl der Dienstposten sinkt um zwölf Prozent von 40 773 auf 35 870. Es entfallen die Standorte Glückstadt, Großenbrode, Hohenlockstedt, Leck, List, Pinneberg und Westerland, außerdem die Kleinstandorte Klein Wittensee und Sylt-Ost. Verkleinert werden die Standorte Eckernförde, Kiel, Neumünster und Schleswig.
  • Sachsen: Die Zahl der Dienstposten sinkt in naher Zukunft um elf Prozent von 9478 auf 8400. Geschlossen wird der Standort Schneeberg. Dort sind bislang ein Gebirgsjägerbataillon und eine Versorgungskompanie mit zusammen 1108 Dienstposten stationiert.
  • Brandenburg/Berlin: Die Zahl der Dienstposten sinkt um neun Prozent von 23 195 auf 21 100. Verkleinert werden die Standorte Brück, Cottbus und Strausberg, wo allein rund tausend Dienstposten entfallen sollen. Der Standort Berlin wird vergrößert.
  • Saarland: Die Zahl der Dienstposten sinkt um fünf Prozent von 3786 auf 3600. Standortschließungen oder erhebliche Verkleinerungen gibt es jedoch nicht.
  • Baden-Württemberg: Die Zahl der Dienstposten sinkt um vier Prozent von 34 293 auf 32 800. Geschlossen werden der Standort Lauda-Königshofen und die Kleinstandorte Bad Säckingen, Baden-Baden, Muggensturm, Rainau und Renningen. Verkleinert werden die Standorte Mosbach und Münsingen.
  • Sachsen-Anhalt: Die Zahl der Dienstposten sinkt um zwei Prozent von derzeit 7861 auf künftig 7700. Von 978 auf 160 Dienstposten verkleinert wird der Standort Halle.
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