13. Friedenspolitischer Ratschlag, 28.11.2006 (Friedensratschlag)
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Deutsche Außenpolitik auf dem Prüfstand - Nicht-militärische Antworten auf die Probleme der Welt gesucht

Am Wochenende findet an der Uni Kassel der 13. Friedenspolitische Ratschlag statt - Pressemitteilung

Auch in diesem Jahr werden wieder mehr als 300 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet zum "Friedensratschlag" in Kassel erwartet. Die Veranstaltung, die seit nunmehr 13 Jahren jeweils am ersten Dezemberwochenende an der Universität stattfindet, bietet am kommenden Samstag und Sonntag (2./3. Dez.) wieder ein reichhaltiges Programm an. Der Kongress steht unter dem Motto:

"Ignorieren? – Intervenieren? – Sich engagieren!
Friedens-Strategien in einer unfriedlichen Welt"


Werner Ruf von der AG Friedensforschung im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, die den jährlichen Kongress organisiert, erläutert das Konzept der diesjährigen Veranstaltung folgendermaßen:

"'Man kann doch nicht wegschauen' - 'Man muss doch etwas tun'" - Das sind viel gehörte Äußerungen von Politikern, aber auch von ernsthaft besorgten Menschen, wenn uns wieder einmal Nachrichten von Bürgerkriegen, Gewaltopfern, Massakern und schwersten Menschenrechtsverletzungen erreichen. Beliebte Reaktion darauf: Einsatz von Militär, weil andere Mittel vermeintlich zu nichts führen oder gar nicht an sie gedacht wird. Militärische Interventionen suggerieren in konzentrierter Form 'tätiges Eingreifen'. Wer das ablehnt, dem wird schnell der Vorwurf gemacht, 'wegzuschauen' oder wissend Unrecht geschehen zu lassen. Nicht in den Blick geraten Formen des Engagements, die jenseits militärischer Reaktion angesiedelt sind: humanitäre Arbeit im weiten Sinn des Wortes sowie ziviles, gewaltfreies Eingreifen zugunsten der Verteidigung von politischen und sozialen Menschenrechten, der Beendigung von Gewaltkonflikten und des Aufbaus nachhaltiger ziviler Strukturen in ehemaligen Kriegs- oder Bürgerkriegsgebieten."

Somit wird neben der weltpolitischen "Großwetterlage" auch die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik auf dem Prüfstand stehen. Ein Jahr große Koalition bedeuten in friedenspolitischer Hinsicht eher eine Enttäuschung. Kongressorganisator Peter Strutynski: "Immer wenn die Politik mit ihrem Latein am Ende war, überließ sie das Denken dem Militär." Ob im Kongo, in Afghanistan oder im Libanon oder - künftig vielleicht - im Sudan: "Das Militär hat sich offenbar ganz dem 'olympischen' Wahlspruch ergeben: 'Dabei sein ist alles'". Das erst vor kurzem vom Bundeskabinett verabschiedete "Weißbuch" atmet genau diesen "Ungeist"

Der "Friedenspolitische Ratschlag" lenkt den Blick auf die verschiedenen Konfliktregionen, insbesondere den Nahen und Mittleren Osten, auf Zentralasien und Afrika, und fragt gleichzeitig nach den Perspektiven alternativer gesellschaftspolitischer Ansätze, wie sie etwa in Lateinamerika von Bolivien und Venezuela versucht werden.

Friedenspolitische Alternativen werden sowohl von der Zivilgesellschaft als auch von den Vereinten Nationen erwartet. Auch hierzu gibt es auf der Tagung eine Reihe von Vorträgen und Workshops.

Die "Friedenspolitischen Ratschläge" haben sich längst als fester Termin nicht nur für die mit der AG Friedensforschung besonders verbundenen Wissenschaftler/innen, sondern auch für die gesamte Friedensbewegung etabliert. Dieses Zusammentreffen von Bewegung und wissenschaftlicher Expertise macht nach Auffassung von Strutynski den "besonderen Reiz" der Friedensratschläge aus. "Es ist eine ausgesprochen produktive Form der reflexiven Vermittlung gesicherten - manchmal aber noch sehr unfertigen - Wissens an die friedenspolitischen Akteure an der Basis."

Das gedruckte Programm des "Friedenspolitischen Ratschlags" entnehmen Sie bitte der beiliegenden pdf-Datei. Im Internet gibt es die aktualisierte Fassung auf der Website der AG-Friedensforschung:
www.uni-kassel.de.

Mit der Bitte um Verbreitung dieser Medieninformation verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Strutynski


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