Zahl der kriegerischen Konflikte leicht rückläufig, 22.12.2008 (Friedensratschlag)
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Zahl der kriegerischen Konflikte erneut leicht rückläufig

Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg


Pressemitteilung 17.12.2008

Nach Untersuchungen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) hielt der generelle Trend der letzten Jahre zu weltweit weniger Kriegen und bewaffneten Konflikten auch 2008 an. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich deren Zahl nochmals um zwei auf nunmehr 40. Damit befindet sich diese Zahl auf dem niedrigsten Stand seit 1993.

Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen sich hinter kleineren Veränderungen in der Gesamtzahl häufig ein größerer Austausch an beendeten und neu begonnenen kriegerischen Konflikten verbarg, eskalierte 2008 kein neuer Konflikt. Und folglich wurden im Vergleich zu 2007 zwei Kriege bzw. bewaffnete Konflikte beendet.

Nicht mehr kriegerisch ausgetragen wurde der Konflikt um die Unabhängigkeit Westpapuas von Indonesien, der bereits 1963 begonnen hatte und in den letzten Jahren nur noch mit geringer Intensität ausgetragen wurde. Ebenfalls beendet wurden die Auseinandersetzungen zwischen libanesischen Sicherheitskräften und der islamistischen Gruppierung Fatah al- Islam, die zwischen Mai und September 2007 zu einem lokal begrenzten Krieg um das palästinensische Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden des Libanon eskaliert waren. Drei Kriege des Jahres 2007 wurden 2008 nur noch als bewaffnete Konflikte eingestuft. Dabei handelt es sich um die Kämpfe in der Zentralafrikanischen Republik und in Tripura im Nordosten Indiens sowie um die Auseinandersetzungen zwischen den beiden bedeutendsten palästinensischen Gruppen Hamas und Fatah. Allerdings verlief die Entwicklung 2008 nicht uneingeschränkt positiv.

Vom bewaffneten Konflikt eskalierten die Auseinandersetzungen in der georgischen Region Südossetien im August zum Krieg zwischen Georgien und Russland. Auch einige Kriege wurden 2008 zumindest zeitweise mit größerer Intensität geführt als noch ein Jahr zuvor. Dazu zählten insbesondere der in Afghanistan, wo das in den letzten Jahren zu beobachtende Erstarken der Taliban anhielt und mit einer Intensivierung und Ausbreitung des Krieges im Land einherging; im Sudan drangen Rebellen aus Darfur kurzzeitig bis in Vororte der Hauptstadt Khartum vor. Nachdem in Somalia die islamistischen Gruppen Ende 2007 von ihrer faktischen Herrschaft vor allem auch durch das Eingreifen Äthiopiens vertrieben worden waren, gelang es ihnen 2008, weite Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Auf Sri Lanka strebte die Regierung nach Erfolgen gegen die tamilischen Rebellen einen endgültigen militärischen Sieg an. Und im Osten der Demokratischen Republik Kongo eskalierten in den letzten Wochen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

Die von organisierten Kämpfen zahlenmäßig am stärksten betroffene Weltregion war nach wie vor Asien mit 15 kriegerischen Konflikten. Von diesen entfielen allein sechs auf Indien und drei auf Pakistan. Es folgten der Vordere und Mittlere Orient mit 12 und Afrika mit 11 Kriegen und bewaffneten Konflikten. In Lateinamerika waren zwei kriegerische Auseinandersetzungen zu verzeichnen.

Der generelle Trend der letzten Jahre bedeutet allerdings nicht, dass die Welt friedlicher geworden wäre. Auch 2008 waren eine ganze Reihe von gewaltsam ausgetragenen Konflikten zu beobachten, die nicht als Kriege oder bewaffnete Konflikte zu bezeichnen sind. Dazu gehörten unter anderem die Auseinandersetzungen in den ersten beiden Monaten des Jahres nach den Wahlen in Kenia, die Zusammenstöße zwischen Anhängern von Regierung und Opposition in Bolivien im September sowie die Anschläge in Bombay am 26. November 2008.

Die kriegerischen Konflikte im Jahr 2008

Region/Land Beginn Einstufung 2008
Asien
Indien (Assam) 1990 Krieg
Indien (Kaschmir) 1990 Krieg
Indien (Manipur) 2003 Krieg
Indien (Nagas) 1969 Bewaffneter Konflikt
Indien (Naxaliten) 1997 Krieg
Indien (Tripura) 1999 Bewaffneter Konflikt
Myanmar (Karen u.a. Minderheiten) 1948 Krieg
Osttimor 2006 Bewaffneter Konflikt
Pakistan (Belutschistan) 2005 Krieg
Pakistan (Islamisten) 2007 Krieg
Pakistan (Sunniten/Schiiten) 2001 Bewaffneter Konflikt
Philippinen (Mindanao) 1970 Krieg
Philippinen (NPA) 1970 Krieg
Sri Lanka (Tamilen) 2005 Krieg
Thailand (Südthailand) 2004 Krieg
Vorderer und Mittlerer Orient
Afghanistan (Warlords) 1978 Bewaffneter Konflikt
Afghanistan (Taliban) 2001 Krieg
Algerien 1992 Krieg
Georgien (Abchasien) 2006 Bewaffneter Konflikt
Georgien (Südossetien) 2008 * Krieg
Irak 1998 Krieg
Iran (Kurden) 2005 Bewaffneter Konflikt
Israel (Palästina) 2000 Krieg
Jemen 2004 Krieg
Palästina 2007 Bewaffneter Konflikt
Russland (Tschetschenien) 1999 Krieg
Türkei (Kurden) 2004 Krieg
Afrika
Äthiopien (Ogaden) 2007 Bewaffneter Konflikt
Burundi 1993 Bewaffneter Konflikt
Kongo-Kinshasa (Ostkongo) 2005 Krieg
Mali (Tuareg) 2007 Bewaffneter Konflikt
Niger (Tuareg) 2007 Bewaffneter Konflikt
Nigeria (Nigerdelta) 2003 Bewaffneter Konflikt
Senegal (Casamance) 1990 Bewaffneter Konflikt
Somalia 1988 Krieg
Sudan (Darfur) 2003 Krieg
Tschad 2006 Krieg
Zentralafrikanische Republik 2006 Bewaffneter Konflikt
Süd- und Mittelamerika
Kolumbien (ELN) 1965 Bewaffneter Konflikt
Kolumbien (FARC) 1964 Krieg


* bis 2007 bewaffneter Konflikt

Quelle: www.akuf.de


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