UN-Klimatagung in Bonn ohne Ergebnisse, 17.06.2008 (Friedensratschlag)
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UN-Klimatagung: kaum Fortschritte

Industrieländer ohne Finanzierungskonzepte / China größter Umweltsünder *

Auf der UN-Klimatagung in Bonn haben rund 2000 Teilnehmer aus 170 Ländern nur wenig greifbare Fortschritte auf dem Verhandlungsweg zu einem neuen globalen Klimapakt erzielt. Die Ergebnisse seien zwar »ermutigend«, aber die Vorschläge müssten nun deutlich »zielgerichteter« sein, sagte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, am Freitag zum Abschluss zweiwöchiger Verhandlungen. Ansonsten stünden die Chancen schlecht, bis Dezember 2009 in Kopenhagen das geplante neue Klima-Abkommen in der Nachfolge zum Kyoto-Protokoll zu erreichen. Über konkrete Zahlen zur Verminderung von klimaschädlichen Treibhausgasen – einen der strittigsten Punkte – wurde in Bonn noch gar nicht gesprochen.

Internationale Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisierten ein zu »langsames Tempo« und zu wenig finanzielles Engagement der Industrieländer bei den Verhandlungen. Als ein Rückschritt wurden von Umweltorganisationen auch Vorstöße einiger Länder gewertet, das im Kyoto-Protokoll verankerte Basisjahr 1990 für die Reduzierung von Treibhausgasen zu ändern. Es sei zudem enttäuschend, dass die Industrieländer und die EU keine konkreten Vorschläge zur Finanzierung vorgelegt hätten, sagte der Klimaexperte von Germanwatch, Christoph Bals.

Die Verhandlungen um neue Finanzinstrumente für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels insbesondere in ärmeren Ländern sowie für den Transfer und Einsatz von klimafreundlicher Technologie in Entwicklungs- und auch Schwellenländern wie Indien oder China sind einer der Schlüssel für ein neues Abkommen, betonte de Boer. Positiv sei, dass Länder wie China und Mexiko eigene Vorschläge zu Finanzierungs- und Technologiefragen präsentiert hätten. Die Entwicklungsund Schwellenländer ließen sich aber für ein neues Klimaschutz-Abkommen mit eigenen Verpflichtungen nicht ins Boot holen, wenn seitens der Industrieländer nicht mehr Zusagen zu finanziellen Hilfen kämen.

Allerdings hat China 2007 einer neuen Studie zufolge zwei Drittel der Zunahme des CO2-Ausstoßes verursacht und damit die USA klar als Klimasünder überrundet. Mit 24 Prozent der CO2-Emissionen weltweit (ein Plus von acht Prozentpunkten) lag die Volksrepublik 2007 auf dem ersten Rang vor den USA mit 21 Prozent und der EU mit 15 Prozent, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Erhebung der niederländischen Behörde für die Evaluierung der Umwelt (PBL), die sich auf Daten des Ölmultis BP und der Zementindustrie stützt. Die Zementproduktion, Hauptverursacherin der CO2- Emissionen, stieg demnach 2007 in China um zehn Prozentpunkte auf einen Anteil von 51 Prozent der weltweiten Produktion. Nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan rechnet die Studie hier mit einer weiteren Zunahme.

Bei den Verhandlungsrunden geht es um die Umsetzung der Grundsatz-Beschlüsse der Weltklimakonferenz in Bali von Ende 2007. Innerhalb von zwei Jahren muss als Nachfolgeabkommen für das dann auslaufende Kyoto-Protokoll ein umfassendes Vertragswerk zum globalen Klimaschutz nach 2012 erarbeitet werden, bei dem erstmals auch Schwellenländer sowie Entwicklungsländer einbezogen werden sollen. Nach einer weiteren Verhandlungsrunde im August in Accra (Ghana) ist geplant, auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz im Dezember in Posen (Polen) die Weichen für einen ausgedehnten Verhandlungsendspurt bis zum avisierten Abschluss im Dezember 2009 in Kopenhagen zu stellen.

* Aus: Neues Deutschland, 16. Juni 2008


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