Donald Rumsfeld: Krieg gegen den Terror endet nicht in Afghanistan, 08.08.2002 (Friedensratschlag)
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Krieg gegen den Terror endet nicht in Afghanistan

Rede des US-Verteidigungsministers Donald H. Rumsfeld vor dem Streitkräfteausschuss des Senats

Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld vor dem Streitkräfteausschuss des Senats vom 31. Juli 2002 in der deutschen Version, die von der US-Botschaft in Berlin verschickt wurde. Interessant ist, dass sich Rumsfeld bei der Schilderung der Situation in Afghanistan vor dem Krieg auf die Berichte von amnesty international und Human Rights Watch beruft. Wenn er nur nicht so selektiv lesen würde! Dieselben NGOs kritisieren nämlich immer wieder auch die Menschenrechtsverstöße und Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht durch die USA, etwa im Blick auf die Behandlung der Gefangenen in Guantánamo oder im Hinblick auf die fahrlässige Tötung von Zivilpersonen im Jugoslawienkrieg und im Afghanistankrieg.Wir haben die Rede um ein paar Absätze am Anfang gekürzt; die Zwischenüberschriften sind von uns.

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Wir befinden uns ungefähr seit neun Monaten im Krieg und sind dabei dem Anfang immer noch näher als dem Ende. Obwohl noch viele schwierige Aufgaben vor uns liegen, sollten wir einen Augenblick innehalten und eine Bestandsaufnahme machen, wie viel die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Koalitionspartner bereits bei der Bekämpfung des Terrorismus erreicht haben.

Afghanistan: Vom Pariastaat ...

Vor einem Jahr war Afghanistan noch ein Pariastaat. Das Talibanregime war an der Macht und unterdrückte das afghanische Volk auf brutale Weise. Das Land war ein Zufluchtsort für tausende ausländischer Terroristen, die freie Hand hatten, weltweit Anschläge auf unschuldige Zivilisten zu planen, zu organisieren und dafür zu trainieren. Es herrschte ein harsches, repressives Regime. Wirtschaft und Bankwesen standen kurz vor dem Zusammenbruch, und das Land war finanziell abhängig von Terroristennetzwerken und islamistisch-extremistischen Elementen in Übersee. Es drohte eine humanitäre Krise beträchtlichen Ausmaßes. Humanitäre Hilfe wurde nicht mehr geleistet, allerorten herrschten Hungersnöte und hunderttausende Flüchtlinge verließen das Land.

Man betrachte nur einige der Menschenrechtsberichte, die die Zustände in Afghanistan vor dem Eintreffen der Koalitionsstreitkräfte beschreiben.

Aus dem Menschenrechtsbericht des Außenministeriums vom Februar 2001 geht hervor, dass "die Taliban Menschen vielfach und systematisch schwer misshandelten. Die Bürger konnten weder ihre Regierung abwählen noch ihre führenden Politiker auf friedliche Art und Weise wählen. Die Taliban praktizierten Schnelljustiz ... und ... waren verantwortlich für politisch motivierte und andere außergerichtliche Tötungen, einschließlich gezielter Morde, Massenexekutionen und Todesfällen in der Untersuchungshaft ... Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, entführt oder zur Ehe gezwungen."

Der Menschenrechtsbericht 2001 von Amnesty International gibt an, dass Afghanen unter umfassenden "Menschenrechtsverletzungen wie beispielsweise willkürlichen Verhaftungen und Folter leiden" ... Die Taliban unterwarfen persönliche Verhaltensweisen strengen Restriktionen, um ihre besondere Interpretation des islamischen Rechts durchzusetzen ... In den von den Taliban beherrschten Gebieten wurden laut Berichten ... Frauen von Wachen entführt und gegen ihren Willen Talibanführern als "Ehefrauen" zugeführt."

Der Bericht von Human Rights Watch für 2001 beschreibt eine Situation, in der "Zivilisten rücksichtslos und systematisch kollektiv bestraft wurden. Massenexekutionen, die vorsätzliche Zerstörung von Häusern und Beschlagnahmung von Ländereien waren wiederkehrende Praxis während dieser Feldzüge." Frauen wurden "systematisch diskriminiert ... Nichtbeachtung der Kleiderordnung ... hatte öffentliche Prügel und Auspeitschung durch die Religionspolizei zur Folge, wobei metallverstärkte Lederschlagstöcke eingesetzt wurden. Frauen durften außerhalb des Hauses höchstens im Gesundheitswesen tätig sein, und Mädchen über acht Jahren durften keine Schule besuchen. Die Regelungen trugen zu einer Analphabetenquote bei Frauen von über 90 Prozent bei." All dies wurde von dem so genannten Minister für die Förderung von Tugend und der Vorbeugung von Lastern durchgesetzt.

Human Rights Watch berichtete ebenso über weit verbreitete "Belästigung von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen", die in einigen Fällen auch als Geiseln genommen wurden. Laut einem Bericht des Außenministeriums vom August 2001 "haben die Taliban acht ausländische Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation unter dem Vorwurf der Missionierung verhaftet. Schätzungsweise 48 afghanische Angestellte der Organisation wurden ebenfalls verhaftet und ebenso der Abtrünnigkeit beschuldigt ... Berichten zufolge wurden 59 von den Verhafteten unterrichtete Kinder von den Taliban in eine Erziehungsanstalt verbracht."

... zum freien Land

Herr Vorsitzender, ein Jahr kann einen enormen Unterschied machen.

Dank des Einsatzes der Koalition und des bemerkenswerten Muts unserer Männer und Frauen in Uniform sind die Taliban nun entmachtet, die Al Qaida ist auf der Flucht, Afghanistan nicht mehr länger ein Stützpunkt für globale Terroraktivitäten oder ein Nährboden für radikalislamischen Kampfgeist. Prügelstrafen der Religionspolizei und Hinrichtungen in Fußballstadien gibt es nicht mehr, die humanitäre Krise wurde abgewendet, Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen werden nicht länger als Geiseln festgehalten, Hilfsleistungen kommt wieder an, und das afghanische Volk ist wieder frei. Afghanistan ist ein freies Land, in dem Mitarbeiter von Hilfsorganisationen humanitäre Hilfe leisten, Mädchen studieren und Frauen arbeiten können; ein Land, in dem das Volk seine Führung mit friedlichen Mitteln wählen kann und in das Flüchtlinge zurückkehren können.

Im Rahmen der vor kurzem einberufenen Loja-Jirga hat das afghanische Volk sein Recht auf Selbstbestimmung ausgeübt. Mehr als 1.500 Abgeordnete aus allen 32 Provinzen und ethnischen Volksgruppen kamen unter einem Dach zusammen, um über die politische Zukunft ihres Landes zu entscheiden. Ein neuer Präsident wurde gewählt, ein neues Kabinett vereidigt und eine Übergangsregierung zur Vertretung des afghanischen Volks eingesetzt, die das Land die nächsten zwei Jahre führen wird, bis eine verfassungsgebende Loja-Jirga stattfindet.

Die neue afghanische Regierung befindet sich noch im Anfangsstadium und verfügt noch nicht über die Regierungsinstitutionen, die Bereiche wie innere Sicherheit, Steuerwesen und ähnliches regeln. Aber es wurde mit der Entwicklung von Bankwesen, Steuergesetzgebung und einer neuen Währung begonnen. Ebenso werden die politischen Rahmenbedingungen für Investition und Handel geschaffen, mit dem Ziel, das Vertrauen ausländischer Investoren zu gewinnen. Es wird ein Beamtenapparat geschaffen - die Bezüge werden von den Vereinten Nationen überwacht - und neue Ministerien nehmen ihre Arbeit auf. Das Rechtswesen wird reformiert, so dass sich die Rechtsstaatlichkeit etablieren kann. Es entwickelt sich neben der freien Presse zunehmend eine Zivilgesellschaft mit offenem politischen Diskurs. Wir können von Glück reden, dass sich die Führung des Landes ernsthaft der Herausforderung der Selbstverwaltung stellt.

Mit der Selbstverwaltung muss schließlich auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit einhergehen. Eine Autarkie also, die sich im Laufe der Zeit auch auf den Bereich Sicherheit erstrecken muss. Aus diesem Grund arbeiten wir zusammen mit der neuen afghanischen Regierung an den Grundlagen längerfristiger Stabilität und an der Beseitigung der Umstände, die es einem Terrorregime überhaupt erst erlaubten, Fuß zu fassen. Die Vereinigten Staaten und andere Länder helfen beim Aufbau einer neuen afghanischen Nationalarmee, einer Streitkraft, die nicht einer Interessensgruppe dient, sondern der Verteidigung des ganzen Landes. Wir hoffen, dass Afghanistan so für seine eigene Sicherheit Verantwortung übernehmen kann, ohne auf ausländische Streitkräfte angewiesen zu sein. Letzte Woche wurde die Ausbildung des ersten Bataillons mit mehr als 300 Soldaten abgeschlossen. Zwei weitere Bataillone mit 600 afghanische Soldaten befinden sich noch in der Ausbildung. Wir gehen davon aus, dass bis Ende 2003 insgesamt 18 Bataillone mit über 10.000 Soldaten ausgebildet werden. Wir trainieren auch die Ausbilder, damit sich der Prozess schließlich selbst tragen kann. Es haben bereits 38 Staaten Waffen, Ausrüstung, Finanzmittel oder Unterstützung für dieses Vorhaben zugesagt.

Wir haben außerdem zur Abwendung einer humanitären Katastrophe in Afghanistan beigetragen. Die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner haben seit Kriegsbeginn mehr als 500.000 Tonnen Lebensmittel geliefert, genug, um fast sieben Millionen notleidende Afghanen zu versorgen. Dank dieser Anstrengungen ist die düstere Vorhersage einer Hungersnot im vergangenen Winter nicht eingetroffen. Heute erhält das afghanische Volk von den Vereinigten Staaten humanitäre Hilfe im Wert von über 450 Millionen Dollar.

Das Verteidigungsministerium hat dutzenden humanitärer Projekte in ganz Afghanistan zehn Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Einheiten für Zivilangelegenheiten des amerikanischen Militärs haben Brunnen gegraben, Krankenhäuser gebaut sowie Straßen, Brücken und Bewässerungskanäle repariert. Wir haben in acht verschiedenen Regionen 49 Schulen wieder aufgebaut. Dank dieser Anstrengungen können rund 30.000 Jungen und Mädchen - die Hoffnung und Zukunft Afghanistans - wieder zur Schule gehen. Eine Einheit für Zivilangelegenheiten hat afghanischen Kindern sogar Baseball beigebracht. Sie organisierten zwei Teams, die über mehrere Wochen hinweg mit gespendeter Baseballausrüstung zweimal pro Woche trainiert haben. Am vergangenen Freitag fand Afghanistans erstes Baseballspiel statt.

Die Leistungen der Koalition aus 90 Ländern

Ich möchte an dieser Stelle unterstreichen, dass die Koalitionspartner einen bedeutenden Beitrag leisten. Minenräumtrupps aus Norwegen, Großbritannien, Polen und Jordanien haben geholfen, auf hunderttausenden von Quadratmetern Landminen zu räumen, obgleich es in diesem Land noch immer eine große Anzahl Landminen gibt. Jordanien hat in Mazar-i-Scharif ein Krankenhaus gebaut, in dem bisher mehr als 92.000 Patienten, darunter ihnen 22.000 Kinder, behandelt wurden. Spanien und [Süd]Korea haben ebenfalls Krankenhäuser gebaut, und Japan hat 500 Millionen Dollar für den Wiederaufbau Afghanistans bereitgestellt. Russland hat den Salang-Tunnel geräumt und wiederaufgebaut. Der Tunnel ist die Hauptverbindung zwischen Kabul und dem Norden des Landes, über die tausende von Tonnen mit Lebensmitteln, Medikamenten und Versorgungsgütern transportiert werden.

In Zusammenarbeit mit über 90 Ländern wurden rund 2.400 Personen in der ganzen Welt festgenommen und befragt, über 500 feindliche Kombattanten befinden sich zur Zeit in Gewahrsam des Verteidigungsministeriums. Sie werden befragt und liefern Informationen, die helfen, weitere Gewalttaten und Blutvergießen zu verhindern.

Beispielsweise wurde mit Hilfe unserer pakistanischen Verbündeten ein hoher Al-Qaida-Führer, Abu Zubaydah, gefasst, dessen Aussagen wiederum zur Festnahme von anderen Personen wie Jose Padilla, einem amerikanischen Al-Qaida-Kämpfer, führten.

Al-Qaida-Truppen haben wertvolle Geheimdienstinformationen hinterlassen, so zum Beispiel Computerfestplatten, Disketten, Laptops, Videos, Notebooks, über die wir Einsicht in ihre Fähigkeiten, ihre Vorgehensweise und in manchen Fällen auch konkrete Anschlagspläne gewinnen konnten. Beispielsweise haben Videobänder, die in einem konspirativen Haus von Al Qaida in Afghanistan gefunden wurden, Aufschluss über detaillierte Pläne für Anschläge auf amerikanische Ziele in Singapur gegeben. In Zusammenarbeit mit den Behörden in Singapur konnte diese Al-Qaida-Zelle zerschlagen und ihr geplanter Anschlag vereitelt werden.

Diese Erfolge dürfen nicht dazu führen, dass wir uns selbstzufrieden zurücklehnen. Auf jeden Plan für einen Terroranschlag, den wir aufdecken, und auf jede Terrorzelle, die wir zerstören, kommen dutzende andere noch aktive. Die Al Qaida operiert nicht nur in Afghanistan, sondern in mehr als 60 Ländern, einschließlich den Vereinigten Staaten. Unzweifelhaft, haben die Anstrengungen der Koalition die Rekrutierung, Planung und das Reisen von Land zu Land erschwert. Aber sie haben buchstäblich Tausende von Terroristen ausgebildet, die sich weltweit auf freiem Fuß befinden. Diese "Schläferzellen" haben zweifellos Pläne für weitere Anschläge. Sie haben eine Menge Geld zusammengebracht und haben immer noch finanzkräftige Helfer, die sie mit Geld unterstützen.

Darüber hinaus ist die Al Qaida nicht das einzige globale Terrornetzwerk. Die Terrornetzwerke unterhalten zunehmend Beziehungen zu terroristischen Staaten, die ihnen Zuflucht gewähren und sie finanzieren - und ihnen eines Tages Zugang zu ihren Massenvernichtungswaffen gewähren könnten. Das bedeutet, dass Afghanistan nur die erste Phase in einem langen, schwierigen und gefährlichen Krieg gegen den Terrorismus ist.

Al Qaida: In Afghanistan und überall

Unser Ziel in Afghanistan ist die Sicherstellung, dass dieses Land nicht wieder zum Ausbildungsgelände für Terroristen wird. Diese Arbeit ist natürlich noch keinesfalls beendet. Die Taliban- und Al-Qaida-Gefolgsleute sind immer noch auf freiem Fuß. Einige sind in Afghanistan, andere sind über die Grenze geflüchtet und warten auf eine Gelegenheit zur Rückkehr. Sie stellen weiterhin eine Bedrohung dar. In den vergangenen Wochen wurden die Streitkräfte der Koalition in Kandahar und Oruzgan erneut angegriffen, und die pakistanischen Streitkräfte haben die Al-Qaida-Anhänger in mehrere Feuergefechte verwickelt - eine Erinnerung an die immer noch existierenden Gefahren.

Darüber hinaus bestehen immer noch ethnische Spannungen innerhalb Afghanistans, und Afghanistan ist immer noch in hohem Maße von Auslandshilfe abhängig - sowohl von Finanzhilfe als auch von humanitären Hilfsleistungen. Das Land ist landwirtschaftlich nicht autark, in regelmäßigen Abständen brechen Cholera und Ruhr aus, und aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse und der unzureichenden medizinischen Versorgung ist die Kindersterblichkeit hoch.

Das sind echte Herausforderungen. Aber zwei Dinge sollten klar sein: Zum einen kann man heute in Afghanistan sehr viel besser leben als vor einem Jahr. Und zum anderen unternehmen die Vereinigten Staaten und ihre internationalen Partner die größten Anstrengungen, um der neuen Regierung Afghanistans im wirtschaftlichen, humanitären, sicherheitspolitischen Bereich und auf anderen Gebieten behilflich zu sein.

Alle afghanischen Politiker, die nach Washington kommen, bestätigen, dass das Sicherheitsumfeld im Land stabil ist. Bisher haben die Taliban ihre häufig vorhergesagte Frühjahrsoffensive noch nicht gestartet. Trotz zahlreicher Drohungen konnte die Loja-Jirga ihre Zusammenkünfte ohne ernsthafte Sicherheitsvorfälle abhalten. Die Konflikte zwischen den regionalen Kommandeuren wurden entschärft - häufig durch den von unseren Mitarbeitern ausgeübten diskreten amerikanischen Einfluss. Obwohl die Sicherheitslage noch nicht ideal ist, hat sie sich seit unserer Ankunft vor neun Monaten erheblich verbessert, als die Taliban 90 Prozent des Landes kontrollierten und unterdrückten.

Die beste Messlatte für Fortschritte ist der Flüchtlingsstrom. Vor Beginn des Krieges waren tausende und abertausende von Flüchtlingen und intern vertriebenen Menschen aus ihrer Heimat geflüchtet, um der Unterdrückung durch die Taliban zu entfliehen. Seit Januar sind hunderttausende afghanischer Flüchtlinge und intern vertriebener Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt. Das afghanische Volk stimmt mit den Füßen ab. Die Menschen kehren in ihre Dörfer zurück. Das ist ein deutlicher Vertrauensbeweis für die in Afghanistan erzielten Fortschritte.

Mit dem Sturz des Talibanregimes und den Anstrengungen zur Zerschlagung großer Nester der Al Qaida bei ihrem Versuch einer Neugruppierung konzentrieren sich die Bestrebungen der Koalition in Afghanistan jetzt vornehmlich auf kleinere Einsätze - die Durchsuchung einzelner Höhlen, das Aufspüren von Waffen, nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und kleineren Nestern verstreuter Terroristen. Die von mir beschriebenen humanitären Hilfsleistungen waren für uns bei diesen Einsätzen in der Tat von unschätzbarem Wert.

"Wir kommen als Befreiungsmacht, nicht als Besatzungsmacht"

Indem wir von Anfang an klargestellt haben, dass es sich hierbei nicht um einen Krieg gegen den Islam handelt, indem wir uns zurückgehalten und Partnerschaften mit den afghanischen Streitkräften geschlossen haben, die sich den Taliban und der Al Qaida widersetzen, und indem wir unsere Sorge um das Wohlergehen des afghanischen Volks durch die Lieferung von humanitären Hilfsgütern von den ersten Tagen des Krieges an unter Beweis gestellt haben, zeigten wir dem afghanischen Volk, dass wir als Befreiungsmacht und nicht als Besatzungsmacht kommen.

Tatsächlich sahen sich unsere Streitkräfte in nur wenigen der 32 afghanischen Provinzen - in den ehemaligen Talibanhochburgen im südlichen und östlichen Afghanistan - Übergriffen ausgesetzt. Im Großteil des Landes wurden die Koalitionsstreitkräfte als Befreier willkommen geheißen.

Das wiederum hat sich bei der Jagd auf die Taliban und die Al Qaida bezahlt gemacht. Wir haben beispielsweise mehrere Male in der Woche zusätzliche Waffenverstecke gefunden, nicht weil wir schlau sind oder über sie stolperten, sondern weil die dort ansässigen Afghanen zu uns gekommen sind und uns erzählt haben, wo sich diese Verstecke befinden. Sie führen amerikanische Sondereinsatzkräfte und Militärpersonal zu diesen Verstecken, so dass die Waffen eingesammelt und entweder zerstört oder der neuen afghanischen Nationalarmee zur Verfügung gestellt werden können. Auch das ist ein Vertrauensbeweis für die Bestrebungen der Koalition.

Während sich unsere Militärmission verändert und entwickelt, ziehen sich jetzt verständlicherweise einige Streitkräfte turnusmäßig aus Afghanistan zurück, darunter die Streitkräfte aus Großbritannien und Kanada - auch wenn sie andernorts auf der Welt weiterhin eine entscheidende Rolle spielen. Dies sollte nicht als Anzeichen gewertet werden, dass die Bestrebungen in Afghanistan eingestellt werden. Im Gegenteil, in den vergangenen Wochen wurde Folgendes unternommen:

Die Verbündeten der USA in vielen Ländern

Die Türkei hat ihre Präsenz in Afghanistan verstärkt und über 1.300 Soldaten nach Kabul entsandt, um die Führung der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) zu übernehmen.

Norwegen, Dänemark und die Niederlande werden in Kürze F-16-Kampfflugzeuge in Kirgisistan für Lufteinsätze über Afghanistan stationieren.

Rumänien hat ein Infanteriebataillon nach Afghanistan entsandt und eine Gebirgsjägerkompanie, atomare, biologische und chemische Reaktionskräfte sowie vier MiG-21-Kampfflugzeuge angeboten, und die Slowakei wird bald eine Pioniereinheit dislozieren.

Sondereinsatzkräfte aus Kanada, Deutschland, Australien und anderen Nationen arbeiten am Boden weiterhin mit amerikanischen Sondereinsatzkräften zusammen, durchkämmen Höhlen, suchen nach flüchtigen Taliban- und Al-Qaida-Gefolgsleuten und sammeln wichtige nachrichtendienstliche Erkenntnisse.

Darüber hinaus beschränkt sich unsere Jagd nach Terrornetzwerken nicht auf Afghanistan. Zurzeit patrouillieren Flugzeuge und Schiffe aus Australien, Bahrain, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Spanien und anderen Ländern auf See und in der Luft in entlegenen Gebieten der Welt. Sie führen Luftüberwachungsoperationen durch, unterbinden die Kommunikationswege zwischen den Al-Qaida-Anführern und bringen Schiffe für Kontrollen auf. Frankreich und Italien haben ihre Flugzeugträgerverbände zur Unterstützung der "Operation Andauernde Freiheit" stationiert. Deutschland hat mit um das Horn von Afrika operierenden Überwasserstreitkräften eine Führungsrolle übernommen. Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden aus dutzenden von Ländern sind dabei behilflich, die Vermögenswerte der Terroristen zu beschlagnahmen, ihre Bankkonten einzufrieren, Scheinfirmen zu schließen und terroristische Zellen bei der Planung künftiger Anschläge zu zerschlagen. Auf vielen Kontinenten von Europa bis nach Südostasien wurden zahlreiche Personen festgenommen.

Der Krieg gegen den Terrorismus ist ein globaler Feldzug gegen einen globalen Gegner. Am 11. September haben wir gelernt, dass in einer Welt internationaler Finanzen, der Kommunikation und des Transports selbst relativ isolierte Einzelpersonen oder Organisationen globale Reichweite haben können - und die Fähigkeit, unschuldigen Zivilisten beispiellosen Schaden zuzufügen.

Die Herausforderung für uns besteht darin, einen Weg zu finden, in dieser Welt des 21. Jahrhunderts als freie Menschen zu leben. Missverstehen Sie mich nicht: Das können wir. Aber es erfordert eine neue Denkweise, eine neue Kampfführung und neue Strategien zur Verteidigung unserer Bürger und unserer Lebensart.

"... den Krieg zu den Terroristen bringen"

Im Krieg gegen den Terror hat der Angreifer einen enormen Vorteil. Ein Terrorist kann an jedem Ort, zu jeder Zeit unter Verwendung aller erdenklichen Techniken zuschlagen. Und es ist physisch unmöglich, unsere Bürger an jedem Ort, zu jeder Zeit gegen jede erdenkliche Technik zu verteidigen. Der einzige Weg zur Bewältigung dieser Bedrohung besteht also darin, den Krieg zu den Terroristen zu bringen - sie dort zu verfolgen, wo sie sind, und sie zu töten, sie gefangen zu nehmen oder auf andere Weise zu zerschlagen. Präsident Bush hat erklärt: "Der erste und beste Weg zur Gewährleistung der inneren Sicherheit der Vereinigten Staaten besteht im Angriff des Feindes dort, wo er sich versteckt hält und plant. Genau das tun wir, und das werden wir tun."

Der Krieg gegen den Terrorismus hat zweifelsohne in Afghanistan begonnen, aber er wird nicht dort enden. Er wird nicht enden, bis die Terrornetzwerke zerschlagen sind, wo immer sie existieren. Er wird nicht enden, bis den staatlichen Förderern des Terrorismus zu verstehen gegeben wurde, dass es tödliche Konsequenzen für diejenigen hat, die versuchen, den Terroristen Unterstützung, Beihilfe und Zuflucht zu gewähren. Er wird nicht enden, bis diejenigen, die atomare, chemische und biologische Waffen entwickeln, aufhören, eine Bedrohung für unschuldige Männer, Frauen und Kinder darzustellen.

Er wird nicht enden, bis unsere Bürger - und die Bürger der freien Nationen der Welt - wieder in Frieden und frei von Angst leben können.

Originaltext: Rumsfeld Says War on Terrorism Will Not End in Afghanistan


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