Friedensbewegung, Ökumenische Friedensnetze, Friedensbotschaft (Friedensratschlag)
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"Zeugnis geben von der Friedensbotschaft Jesu"

Aufruf zur Bildung ökumenischer Friedensnetze

Gern kommen wir der Bitte nach, den folgenden Aufruf zu verbreiten.

Auch das Jahr 2002 wird nach Ankündigungen führender Politiker der westlichen Welt ein "Jahr des Krieges" werden. Während wir durchgreifende, nicht-militärische Maßnahmen zur Sicherung des Weltfriedens zur Stunde nicht entdecken können, erscheint "Krieg" zunehmend auf allen Ebenen des öffentlichen Gespräches als selbstverständliches Instrumentarium der Politik.

In dieser Situation rufen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner zur Bildung wirksamer ökumenischer Friedensnetze in allen Städten auf. Jenseits von kirchlichen bzw. konfessionellen Eigeninteressen sollten friedensbewegte Christinnen und Christen
  • sich in radikaler Ökumene um die Botschaft Jesu versammeln,
  • einander in Gebet und Austausch trösten und ermutigen,
  • die Arbeit für den Frieden miteinander teilen statt sie einzelnen Aktivistinnen und Aktivisten aufzubürden,
  • sich gegenseitig in einer gründlichen Information über die politischen Hintergründe von militärischen Konflikten unterstützen
  • und sich durch Dialog, Stellungnahmen und Zeichen in das gesellschaftliche Leben einbringen.
Nachfolgend stellen wir Überlegungen aus dem Kreis der Initiatorinnen und Initiatoren dieses Aufrufes.

Jeder Krieg ist eine Niederlage für das gesamte Menschengeschlecht

Jeder Krieg auf diesem Planeten ist eine Niederlage für das gesamte Menschengeschlecht, und jeder Einsatz von Massenvernichtungswaffen ist ein Verbrechen vor Gott. Vor 2500 Jahren gelangte in Indien Gautama Siddharta, der als Buddha verehrt wird, zu einer inneren Gewaltfreiheit, die jenseits der Ich-Angst eine neue Weise des Menschseins eröffnete. Der Weg des Buddha prägte ganze Kulturen. Die so genannte "christliche Welt" beruft sich auf einen anderen Namen, mit dem sie für die Menschheit den Weg der Gewaltfreiheit verbindet: Vor 2000 Jahren zeigte Jesus von Nazareth, wie Menschen durch innere Versöhnung ihren Frieden finden und dann auf Gewalttätigkeit gegenüber ihrer Mitwelt verzichten können. Das Modell "Krieg" - sei es strukturell oder als Politik einzelner Persönlichkeiten - ist demgegenüber Zeichen einer barbarischen Kulturstufe. Es wirft uns in der geistig-seelischen Entwicklung der Menschheit auf einen Punkt zurück, der in Einzelnen grundsätzlich schon vor mehreren tausend Jahren überwunden worden ist. Wir versagen diesem überholten Modell mit all seinen Gesichtern und Mechanismen unsere Gefolgschaft. Wir freuen uns über alle Kirchenleitungen, die uns darin ein Vorbild geben.

Militärische Maßnahmen zum Schutz von Menschen sind nach breitem ökumenischen Konsens der Christenheit an strenge "Kriterien" gebunden und bedürfen als "letztes mögliches Mittel" aus unserer Sicht einer radikal kritischen Überprüfung: Welche militärischen, ökonomischen bzw. politischen Doktrinen und Interessen stehen im Hintergrund? Wie stichhaltig sind Behauptungen, bestimmte militärische Maßnahmen dienten allein humanitären Zielen und wahrten mit Blick auf zivile Opfer die Verhältnismäßigkeit? Wie zuverlässig und wahrheitsgetreu ist die Information der Öffentlichkeit?

Selbstbewusst wollen wir Politik und politische Akteure am Maßstab unseres Bekenntnisses zu Jesus Christus messen. Sein Evangelium des Friedens ist kein sentimentaler Traum oder ein naives "Gutmenschentum". Das Evangelium ist vielmehr tiefer Ausdruck einer befreiten Vernunft, die die Logik der Angst durchschaut und überwindet. Die uralten Mechanismen von Gewalt und Gegengewalt, von Konkurrenz und Rache sind im Evangelium als hoffnungslos veraltet entlarvt - und das gilt uneingeschränkt auch mit Blick auf die reale Politik der Völker und Machthaber. Gegenüber der Hässlichkeit und Kümmerlichkeit der Gewalttätigen eröffnet das Evangelium einen Weg zur Schönheit des Menschen. Die Friedensratschläge Jesu sind realpolitisch kompetenter als die gefährliche Logik von Kriegstreibern, Feindbildpropagandisten und Vergeltungspredigern. Die Beurteilung der Dynamik von Gewaltspiralen ist für uns eine Frage der Vernunft und kein irrationaler Glaubensatz. Militärische Gewaltmaßnahmen mit unschuldigen Opfern werden den Terror in der Welt nicht überwinden, sondern vermehren.

Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass die innere Überwindung von Angst den Einzelnen zum Frieden befähigt und ihn von Geltungssucht, Besitzgier und Machthunger befreit. Die Unerlöstheit der Menschheit verfestigt sich allerdings in ungerechten und gewalttätigen Strukturen, die den Krieg im Kleinen wie im Großen hervorbringen. Wir setzen gegen die irrationale Logik der Gewaltausübung zwischen Menschen, Gruppen und Staaten die Logik der Versöhnung und der gegenseitigen Akzeptanz, ohne die es keinen Frieden in der Völkerwelt geben kann.

Wir setzen auf eine intelligente Politik mit modernen, zivilen Konfliktlösungstrategien und sagen Nein zum Primat einer Politik des Krieges

Die Bekämpfung weltweit agierender Terrornetze gehört in die Hand der gesamten Völkergemeinschaft. Geeignete internationale polizeiliche Maßnahmen unter Führung der UN und der schnelle Aufbau eines Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) erscheinen dabei als wichtige Bestandteile.
Demgegenüber können wir im - völkerrechtlich geächteten - Einsatz von Streu- und Benzinbomben wie in Afghanistan keine legitime Form der "Terrorbekämpfung" erkennen. Wir hören aufmerksam zu, wenn die Medien Militärschläge in weiteren Regionen der Welt ankündigen. Gemäß "New York Times" vom 27.12.2001 hat US-Präsident Bush erklärt, auch 2002 werde ein "Jahr des Krieges" sein. Im Hintergrund finden wir aggressive Vergeltungsrhetorik und gefährliche Führungsansprüche in offiziellen politischen Stellungnahmen der "westlichen Welt". Illusionen einer "totalen Sicherheit" werden geweckt. Kriterien des internationalen Menschenrechtsstandards werden in der Bündnispolitik allzu bereitwillig relativiert. Geopolitische und ökonomische Interessen kommen nur verschleiert zur Sprache.

Indessen steht fest: Jeder weitere Militärschlag schürt die Polarisierungen in der Völkerwelt. Die Eskalationen im internationalen Klima werden unberechenbar. Krieg wird als "Mittel der Politik" schleichend rehabilitiert. Regierungen, die über Atomwaffen verfügen, zeigen sich in ihrem Gebaren zunehmend enthemmter. Unvorstellbare Summen werden für Militär und Rüstungspolitik aufgewandt. Im Vergleich dazu fallen humanitäre Hilfen und Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung benachteiligter Weltregionen allenfalls kosmetisch aus. Unsere Kriterien lauten: Jegliche Terrorbekämpfung muss die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren und ihre Folgen überblicken können. Verdeckte Motive für kriegerische Aktionen in Militärdoktrinen und nationalen politischen Konzepten müssen für die gesamte Weltöffentlichkeit offen gelegt werden.

Oberste Priorität gilt für Maßnahmen, die der internationalen Vertrauensbildung dienen, und für globale Strategien, die die Ursachen von Feindseligkeit in der Völkerwelt bekämpfen. Eine intelligente Politik sollte sich vorbeugend um einen gerechten Ausgleich der Interessen und vergleichbare Lebenschancen für alle Menschen bemühen. Dies schließt eine Sicherung der globalen Lebensgrundlagen und einen schonenden Umgang mit den Ressourcen dieser Erde mit ein. Die Ausbildung von Mediatoren, die als Friedensarbeiter vor, während und insbesondere auch nach Ausbruch einer gewaltsamen Auseinandersetzung Konflikte entschärfen sowie Dialog und Versöhnung ermöglichen, sollte mit hoher Intensität vorangetrieben werden. Die finanziellen Mittel zur Unterstützung der Vereinten Nationen, für Entwicklungshilfe und Friedensarbeit sollten massiv aufgestockt werden, und so lange Nationalstaaten noch über eine eigene Armee verfügen, wenigstens dem Verteidigungsetat entsprechen.

Wir erklären unsere uneingeschränkte Solidarität mit allen Opfern von Krieg und Terror

Wir leben in einer Welt, in der Völkermord, ethnische Vertreibungen und auch staatlich geförderter Terrorismus Teil einer grausamen Realität sind. Unsere uneingeschränkte Solidarität und unser Mitgefühl mit den Opfern von Krieg und Terror sind unteilbar. In der Sprache vieler Medien erscheint es so, als wenn Opfer z.B. in der westlichen Welt zu betrauern sind, während menschliche Todesopfer westlicher Militäraktionen als "notwendiges" Übel von "notwendigen" Kriegen in Kauf genommen werden müssten. Dieser zynischen Aufteilung der Opfer von Krieg und Terror werden wir konsequent widerstehen.

Unser Mitgefühl und unsere Solidarität mit den Opfern von Krieg, Terror, Machtpolitik, Rüstungsexporten und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit gelten bedingungslos - unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Hautfarbe, Nationalität oder Religion - allen Opfern.

Wir sehen in dieser unteilbaren Solidarität auch ein unerlässliches Modell für alle Krisenherde in dieser Welt. Jede beteiligte Seite muss eigene Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten eingestehen, wenn ein friedensfördernder Dialog möglich werden soll. Das gilt nicht nur für die Konfliktparteien in Nahen Osten, sondern auch für die Politik der "westlichen Welt" gegenüber den Völkern, die in Armut leben. Als Menschengemeinschaft können wir auf dieser Erde nur gemeinsam gewinnen oder verlieren.

Wir sehen weltweite Gerechtigkeit für die gesamte Menschheitsfamilie als Grundvoraussetzung für den Frieden

Wir westlichen Nationen können "unsere Art zu leben" dauerhaft nicht verteidigen, ohne einen Krieg gegen die Armen dieser Welt zu führen. Mit nicht-militärischen Mitteln wird dieser Krieg gegen die Mehrheit der Menschen, die Hunger leiden, medizinisch völlig unterversorgt sind und unwürdig leben müssen, schon lange geführt.
Dagegen setzen wir: Unsere westliche Art zu leben muss - statt den Reichtum mit allen Mitteln zu verteidigen - in eine internationale Kultur des Teilens verwandelt werden. Nationale und wirtschaftliche Interessen können niemals gegen die Grundrechte und Grundbedürfnisse aller Völker geltend gemacht werden. Die internationale Geldwirtschaft kann, wie Jesus uns mit Blick auf den Mammon lehrt, zum Götzen werden. Jeder einzelne Mensch ist hingegen das lebendige Ebenbild Gottes auf dieser Erde. Wer einem Menschen die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse versagt, seine Rechte missachtet oder ihn tötet, der verachtet Gott. Gegenüber dem Siegel, das Gott der gesamten Menschheitsfamilie eingeprägt hat, sind alle "Nationalflaggen" der Völker vor Gott bedeutungslos. Der Missbrauch von "Nationalflaggen", der mit dem Wohl der gesamten Menschheit und aller Völker unvereinbar ist, muss aus christlicher Sicht als Götzendienst gebrandmarkt werden.

Mit dem Ökumenischen Weltrat der Kirchen und Papst Johannes Paul II. sehen wir in einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung die unabdingbare Grundvoraussetzung für den Frieden auf unserem Planeten.

Wir ersehnen den Frieden der Religionen und Kulturen

Wir widersagen allen politischen Doktrinen, die einen "Kampf der Kulturen" propagieren. In der Geschichte der Kulturen und der Religionen entdecken wir für keine Seite einen Grund dazu, sich selbstgerecht über eine andere zu erheben. Alle Religionen werden bis heute in Teilen der Welt mit Blut besudelt und für Gewalt missbraucht. Ausnahmslos jede Religion kann zu einer gewalttätigen und intoleranten Ideologie pervertiert werden. Bis heute rechtfertigen Religionsführer überall auf der Welt Kriege und Gewalttaten, auch wenn dies mit den Traditionen ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft unvereinbar ist. Alle Kulturen zeigen in ihren Widersprüchen Schönheiten und Hässlichkeiten. Sie wurzeln grundlegend in der möglichen Schönheit und Hässlichkeit der Gattung Mensch.

Es ist offenkundig, dass wir Menschen neue Fähigkeiten zum Überleben entfalten müssen. Die Verantwortung, die Geschicke des Planeten Erde auf die Zukunft von Leben hin zu gestalten - statt sie an kurzfristige egoistische bzw. nationale Interessen zu koppeln - betrifft die Menschheit als Ganzes.

Die Gottebenbildlichkeit eines Menschen ist nicht an die Bedingung einer Religionszugehörigkeit oder eines Gottesglaubens geknüpft. Als Christinnen und Christen halten wir den Frieden der Kulturen und Religionen für ein vordringliches Friedensgebot. Ein Vorbild ist für uns Franziskus von Assisi, der bereits vor fast tausend Jahren als Christ das Friedensgespräch mit Muslimen gesucht hat. Alle großen Religionen bergen nach unserer Überzeugung jenseits ihrer ideologischen Verzerrungen gemeinsam einen Schatz der Gewaltfreiheit und der Achtung vor dem Leben. Daraus könnte eine Ökumene der gesamten Menschheit erwachsen. Das Zeugnis des Evangeliums besteht nicht in dem überheblichen Anspruch, besser als andere zu sein, oder darin, anderen eine Verbindung zu Gott abzusprechen. Es zeigt sich vielmehr im Bemühen, an erster Stelle das Gute und das Verbindende bei anderen kennen zu lernen und zu schätzen. Die Wahrheit einer gelebten Religion kann sich überzeugend nur in der Fähigkeit zum Frieden, zur Toleranz und zu echtem Respekt gegenüber anderen zeigen. Von dieser Wahrheit geben Menschen aus allen großen Religionen ein lebendiges Zeugnis. Diese Wahrheit ist das dringlichste Kriterium zur Unterscheidung von gelebter Gottverbundenheit und religiöser Ideologie.

Wir fordern den Schutz der Menschen- und Bürgerrechte

Seit September 2001 wird in vielen westlichen Demokratien offen und indirekt ein verstärkter Druck ausgeübt. Kritiker von Militäreinsätzen werden in den Medien isoliert und verunglimpft. Undifferenziert kursiert der generelle Vorwurf von "Antiamerikanismus". Parlamentarier werden durch kollektive Verpflichtungen in ihrer freien Gewissensentscheidung beeinträchtigt. Zunehmend werden Führungsstile und denkbar schlechte Manieren etabliert, die mit einer demokratischen Kultur unvereinbar sind. Unter dem Vorzeichen militärpolitischer Entscheidungen verändern politische Bewegungen ihr Gesicht bis hin zur Unkenntlichkeit. Medien geben offen zu, dass sie für die Zuverlässigkeit von Kriegsnachrichten keinerlei Gewähr übernehmen können. Informationen über zivile Kriegsopfer bleiben aus und müssen durch weitreichende Recherchen rekonstruiert werden. Einige Kriegsgegner wurden bereits mit dem Vorwurf der "Wehrkraftzersetzung" konfrontiert.

Es entsteht ein Klima der Einschüchterung, in dem einzelne Bürgerinnen und Bürger nicht mehr genau wissen, ob sie ihre Einstellungen ohne Furcht vor Nachteilen überhaupt äußern können. Die Bedenken vieler Menschen gegenüber militärischen Aktionen kommen in den Parlamenten nicht mehr proportional zum Ausdruck. Grundlegende Errungenschaften wie rechtsstaatliche Verfahren in der Justiz werden gefährdet, wenn Modelle von militärischen Geheimgerichten mit der Vollmacht zur Todesstrafe im Bereich der "westlichen" Zivilisationen vorgelegt werden. Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen, darunter amnesty international, bringen in vielen Ländern ihre Besorgnis zum Ausdruck. Auch wir fordern, dass Menschen- und Bürgerrechte und die Grundprinzipien rechtsstaatlicher Verfahren zu Zeiten militärischer Aktionen unantastbar bleiben. Der Anspruch, die Freiheit als Grundprinzip demokratischer Gesellschaften zu verteidigen, verträgt sich in keiner Weise mit der faktischen Aushöhlung individueller Grundrechte oder der Beeinträchtigung freier Information und Diskussion.

Wir setzen uns ein für eine Zivilisation der Liebe unter den Vorzeichen von Gerechtigkeit, Solidarität und Gewaltminderung

Wir sind erschrocken über die unverhohlene Militarisierung der Sprache, die seit September 2001 in vielen öffentlichen Bereichen der westlichen Gesellschaften zu beobachten ist. Die Vielzahl der zynischen Redewendungen, Namen und journalistischen Strategien, die in nicht wenigen Medien den Tod von Menschen und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen umschreiben, sind für Christinnen und Christen unannehmbar. Wo immer in der westlichen Welt Feindbilder und Aggressionen durch die offiziell so genannte "psychologische Kriegsführung" und durch populistische Kampagnen geschürt werden, wird das Ideal einer "abendländischen Zivilisation" mit Füßen getreten.

Wir wenden uns gegen jegliche Militarisierung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Statt einer psychologischen Kriegsführung benötigen wir eine Psychologie der Gewaltfreiheit und der Friedensfähigkeit als Grundlage zur Gestaltung unseres Zusammenlebens.

Jeder von uns ist zur Umkehr herausgefordert. Auch politische Friedensbewegtheit und persönliche Friedensfähigkeit sind nicht zwangsläufig ein Geschwisterpaar. Im Gegenteil: Ohne eigene Umkehrbereitschaft kann auch der prophetische Protest gegen Kriege in aggressive Verbitterung und in eine Unfähigkeit zum Gespräch umschlagen.

Es gibt Zeichen der Hoffnung. Viele Menschen haben auf den Krieg in Afghanistan mit einer neuen Achtsamkeit reagiert. Sie versuchen in ihren kleinen Lebensbereichen, dem Frieden zu dienen - durch Courage, Respekt, Behutsamkeit, gegenseitige Hilfe und kleine Gesten. Sie versuchen, die eigene Gewalttätigkeit zu sehen, statt sie auf Feindbilder im Schema von "Gut und Böse" zu projizieren. Sie versuchen, ihren Anteil und ihren persönlichen Profit an der Unterdrückung der Armen auf unserem Planeten zu verstehen. Sie zeigen Nachbarn mit ausländischer Herkunft ihre ehrliche Zugewandtheit. Diese Menschen sind, welcher Weltanschauung sie auch immer zuneigen, das Salz für eine gewaltfreiere Zivilisation. An dieser Stelle gilt für uns ausschließlich das Stärke-Ideal des Evangeliums: Die Verkäuferin im Supermarkt, die selbst unter großem Stress die ungeduldigsten Kunden mit ruhigem Geschick bedient, zeigt mehr Friedenskompetenz als jene Politiker, deren latente Aggressivität und unverblümt gewalttätige Druckausübung in manchen Medien als "Führungsqualität" gefeiert wird.

Wir wollen mitarbeiten an einer erneuerten Friedensbewegung

Als Christinnen und Christen fühlen wir uns besonders dem Symbol der Friedenstaube verbunden. Wir sind Teil einer viel breiteren Friedensbewegung, die in unabhängigen politischen Gruppen, unterschiedlichsten Initiativen und Bildungswerken den Frieden - vom Stadtteil bis hin zum Weltgeschehen - bewegen und fördern möchte.
Zu den aktuellen Widersprüchen gehört es, dass die große Zahl der Menschen, die eine militärisch geprägte Entwicklung der westlichen Politik ablehnen, mit ihrer Meinung weder in der Politik noch in der Öffentlichkeit wirkungsvoll zum Ausdruck kommt. Das gilt auch für die wachsende Zahl der Menschen, die eine gerechtere Ordnung der Weltwirtschaft einfordern.

Indessen erscheinen jedoch viele Zeichen und Mentalitäten der Friedensbewegung aus den 80er Jahren für eine neue Generation nicht immer einladend oder nachvollziehbar. Gegenüber dem allgemeinen Medienkonzert sind die Medien und Arbeitsformen der Friedensbewegung zur Stunde allenfalls wie ein Geflüster im Sturm. Wir möchten deshalb offen sein für neue Entwicklungen und Ideen, die junge Menschen der Friedensbewegung schenken. Gleichzeitig laden wir alle Friedensbewegten ein, ihr "Nein zum Krieg" überall laut auszusprechen und sichtbar zu zeigen.

Ökumenische Friedensnetze von Christinnen und Christen können angesichts der Resignation und Ohnmachtsgefühle vieler Menschen Hoffnungszeichen setzen und ermutigende Gemeinschaftserfahrungen anregen. Unser Blick gilt dabei gleichermaßen unserer persönlichen Umkehr, den Lebensbereichen unseres Alltags und den großen politischen Entwicklungen in der Welt.


Der Aufruf kann auch unterschrieben werden:
Ihre/Deine Unterschrift (mit Anschrift, Beruf etc.) mit dem Stichwort "Aufruf zur Bildung ökumenischer Friedensnetze - 10.1.2002" bitte an:
"Zeugnis geben von der Friedensbotschaft Jesu"
Aufruf zur Bildung ökumenischer Friedensnetze
c./o. Peter Bürger; Lichtstr. 47, 40235 Düsseldorf
E-Mail: post@oekumenisches-friedensnetz.de
Homepage-Infos unter: www.friedensbilder.de (//Friedenskontakte)


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