"Women's Call for Peace", 08.03.2006 (Friedensratschlag)
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"Frauen fordern Frieden" - Ein dringender Appell / "Women's Call for Peace": An Urgent Appeal

Eine Initiative zum Internationalen Frauentag von Frauen in der ganzen Welt

Am 5. Januar 2006 initiiert CODEPINK eine neue Kampagne: "Women Say No to War"'. Diese Kampagne vereint amerikanische Frauen wie Alice Walker, die Kongressabgeordnete Barbara Lee, Susan Sarandon, Cindy Sheehan und Dolores Huerta mit Frauen aus Ländern wie Großbritannien, Kanada, Australien, Mexiko, den Philippinen, Japan, Jordanien, Iran und vor allem dem Irak. Die Absicht der Initiatorinnen? Sie wollen den Regierungen - und der Welt - mitteilen: Wir Frauen haben genug von dem sinnlosen Krieg im Irak. Wir wollen, dass die fremden Truppen und ausländischen Kämpfer den Irak verlassen und zwar sofort.

Die Kampagne wurde bald von mehr als 200 prominenten Frauen unterstützt - politische Führerinnen, Mütter von Armeeangehörigen, Veteraninnen, Schauspielerinnen und Autorinnen. Rund 4.000 Frauen haben ihre Unterschrift unter den Aufruf "Women's Call for Peace" gesetzt - noch ehe dieser überhaupt offiziell veröffentlich wurde! Das Ziel der Frauen war es, weltweit mindestens 100.000 Frauen zu motivieren, bis zum 8. März 2006, dem Internationalen Frauentag, zu unterzeichnen. An diesem Tag wird der Aufruf an das Weiße Haus und an US-Botschaften in aller Welt übergeben.

"Women's Call for Peace" - ein dringender Appell

Wir - das sind Frauen aus den Vereinigten Staaten, Frauen aus dem Irak, Frauen aus der ganzen Welt. Wir haben genug von diesem sinnlosen Krieg im Irak. Wir haben genug von den grausamen Angriffen auf Zivilisten weltweit.

Zu viele geliebte Menschen haben wir beerdigt, zu viele verstümmelte Leben gesehen - Versehrte an Körper und Seele. Es bereitet uns Horror zu sehen, wie kostbare Ressourcen auf den Krieg verwendet werden, während die Grundbedürfnisse von Familien - Nahrung, Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung - vernachlässigt werden.

Wir haben es satt, in ständiger Angst vor Gewalt zu leben. Wir haben es satt mitanzusehen, wie das Krebsgeschwür des Hasses und der Intoleranz in unsere Heime und Gemeinden hineinwuchert.

Dies ist nicht die Art Welt, die wir uns für uns und unsere Kinder wünschen. Wir Frauen stehen auf - über alle Grenzen hinweg. Wir tragen Liebe im Herzen und Feuer im Bauch. Wir stehen vereint und fordern ein Ende des Blutvergießens und der Zerstörung.

Wir haben erlebt, wie die Fremdbesatzung im Irak jene bewaffnete Gegenbewegung geschürt hat. Der endlose Kreislauf der Gewalt geht so immer weiter. Wir sind überzeugt, dass es Zeit ist für einen Modellwechsel - vom militärischen Modell der Konfliktlösung hin zu einem Modell, das folgende Kriterien erfüllt:
  • Rückzug aller ausländischen Truppen und Kämpfer aus dem Irak.
  • Verhandlungen, damit Irakis ohne Bürgerrechte wieder vollständig in die Gesellschaft integriert werden können.
  • Volle Repräsentanz der Frauen in diesem Friedensprozess. Im Nachkriegs-Irak sollen Frauen absolut die gleichen Rechte erhalten wie die Männer.
  • Eine Verpflichtung, sämtliche Pläne zur Errichtung ausländischer Basen im Irak aufzugeben.
  • Der Irak soll die Kontrolle über sein Öl und seine Ressourcen erhalten.
  • Privatisierungen und Deregulierungsgesetze, die unter der Besatzung erfolgten/entstanden, sind für null und nichtig zu erklären. Die Irakis sollen die Rahmenbedingungen für ihre Nachkriegs-Ökonomie selbst gestalten.
  • Massive Anstrengungen zum Wiederaufbau. Irakischen Vertragspartnern ist hierbei der Vorzug zu geben. Finanziert werden soll das Ganze über finanzielle Ressourcen jener Länder, die für die Invasion und die Besatzung verantwortlich waren/sind.
  • Es wäre zu überlegen, ob eine temporäre internationale Peacekeeping-Force geschaffen werden soll. Allerdings müsste es sich um eine echte multinationale Truppe handeln; Soldaten aus Staaten, die an der Besatzung beteiligt waren, sind auszuschließen.
Um diesen Friedensprozess voranzutreiben, werden wir eine starke Bewegung schaffen - eine Bewegung, die alle ethnischen, religiösen und Generationen-Grenzen überwindet und nicht nach der politischen Überzeugung fragt. Gemeinsam werden wir Druck erzeugen - Druck auf unsere Regierungen, die UNO, die Arabische Liga, auf Individuen der internationalen Gemeinschaft, religiöse Führer und Friedensnobelpreisträger. Sie alle fordern wir auf, treten Sie vor und helfen Sie uns, eine politische Lösung auszuhandeln. Wir leben in einer Zeit fundamentalistischer Spaltungen. Daher fordern wir die Führer der Welt auf, schließen Sie sich uns an, helfen Sie mit, jenen fundamentalen Wert zu verbreiten, der Liebe zur Menschheitsfamilie heißt und Liebe zu unserem kostbaren Planeten.

Dokumentation: Der Appell in englisch

Women's Call for Peace: An Urgent Appeal

We, the women of the United States, Iraq and women worldwide, have had enough of the senseless war in Iraq and the cruel attacks on civilians around the world. We've buried too many of our loved ones. We've seen too many lives crippled forever by physical and mental wounds. We've watched in horror as our precious resources are poured into war while our families' basic needs of food, shelter, education and healthcare go unmet. We've had enough of living in constant fear of violence and seeing the growing cancer of hatred and intolerance seep into our homes and communities.

This is not the world we want for ourselves or our children. With fire in our bellies and love in our hearts, we women are rising up - across borders - to unite and demand an end to the bloodshed and the destruction.

We have seen how the foreign occupation of Iraq has fueled an armed movement against it, perpetuating an endless cycle of violence. We are convinced that it is time to shift from a military model to a conflict-resolution model that includes the following elements:
  • The withdrawal of all foreign troops and foreign fighters from Iraq;
  • Negotiations to reincorporate disenfranchised Iraqis into all aspects of Iraqi society;
  • The full representation of women in the peacemaking process and a commitment to women's full equality in the post-war Iraq;
  • A commitment to discard plans for any foreign bases in Iraq;
  • Iraqi control of its oil and other resources;
  • The nullification of privatization and deregulation laws imposed under occupation, allowing Iraqis to shape the trajectory of the post-war economy;
  • A massive reconstruction effort that prioritizes Iraqi contractors, and draws upon financial resources of the countries responsible for the invasion and occupation of Iraq;
  • Consideration of a temporary international peacekeeping force that is truly multilateral and is not composed of any troops from countries that participated in the occupation.
To move this peace process forward, we are creating a massive movement of women - crossing generations, races, ethnicities, religions, borders and political persuasions. Together, we will pressure our governments, the United Nations, the Arab League, Nobel Peace Prize winners, religious leaders and others in the international community to step forward to help negotiate a political settlement. And in this era of divisive fundamentalisms, we call upon world leaders to join us in spreading the fundamental values of love for the human family and for our precious planet.

Quelle: "Women say no to war"; www.womensaynotowar.org


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