Drohung mit Atomwaffen ist völkerrechtswidrig, 13.12.2002 (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

Drohung mit Atomwaffen ist menschenverachtend und völkerrechtswidrig

Eine Erklärung der IPPNW-International physicians for the prevention of nuclear war

Im Folgenden dokumentieren wir eine Presseerklärung der deutschen Sektion von IPPNW


Pressemitteilung

Berlin, den 12. Dezember 2002

Ein atomarer Angriff auf Bagdad würde bis zu 3,6 Millionen Tote kosten. Das ist ein Ergebnis der jüngsten wissenschaftlichen Studie der IPPNW, der International physicians for the prevention of nuclear war. Vor diesem Hintergrund verurteilen die IPPNW-Ärzte die Drohung Amerikas, Atomwaffen einzusetzen, scharf. "Die Drohung der USA, so viele Menschen zu töten, ist menschenverachtend und völkerrechtswidrig", sagt Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der deutschen Sektion der IPPNW.

Die IPPNW-Studie "Kollateralschaden" analysiert die Folgen eines neuen Krieges gegen den Irak. Die Studie wurde von der britischen Sektion der IPPNW (MEDACT) erstellt. Die Autoren rechnen im Falle eines Krieges mit verheerenden Auswirkungen für die irakische Bevölkerung, ihre Nachbarn und weit über die Region hinaus. Sollte die USA ihre Drohung verwirklichen und eine Atombombe zünden, wäre ein enormes ziviles Sterben die Folge. Eine kleine Atombombe, etwa in der Größe der Hiroshima-Bombe, tötet bis zu 360,000 Menschen. Eine moderne thermonukleare Bombe tötet jedoch bis zu 3,6 Millionen, ohne die Spätfolgen einzurechnen.

Die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen ist generell völkerrechtswidrig, das erklärte der Internationale Gerichtshof in seinem Gutachten vom 8.Juli 1996. Mit einer Ausnahme: Der Gerichtshof drückte sich vor der Entscheidung, ob ein Einsatz von Atomwaffen gerechtfertigt sei, wenn ein Staat in seiner Existenz bedroht sei. Dies trifft im gegenwärtigen Szenario aber nicht zu: Es gibt bisher keinen Beweis, dass der Irak im Besitz von biologischen oder chemischen Waffen ist - und dass die USA vom Irak mit Massenvernichtungswaffen bedroht werden.

"Hier wird der Gerechtigkeitsgedanke auf den Kopf gestellt. Allein aufgrund der Behauptung der USA, Hussein sei gefährlich, wird Millionen Menschen mit dem atomaren Feuer gedroht. Das darf die internationale Gemeinschaft nicht zulassen", sagte Frau Hall.

IPPNW-Deutschland, Koertestr. 10, D-10967 Berlin
http:www.ippnw.de


Zurück zur Seite "Atomwaffen"

Zur Presse-Seite

Zurück zur Homepage