Rebellenvormarsch auf Hauptstadt Zentralafrikas, 30.12.2012 (Friedensratschlag)
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Bozizé in Bedrängnis

Rebellenvormarsch auf Hauptstadt Zentralafrikas *

Angesichts des Vormarschs von Rebellen auf die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik haben die USA ihre dortige Botschaft geschlossen. Allgemein wächst die Sorge vor einer baldigen Niederlage des ZAR-Staatspräsidenten François Bozizé.

Washington/Paris (dpa/nd). Die USA sind derzeit in der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui ohne eigene diplomatische Vertretung. Wie das Außenministerium in Washington am Donnerstag auf seiner Internetseite mitteilte, verließen der US-Botschafter und seine Diplomaten die Stadt. Die Entscheidung sei allein aus Sorge um die Sicherheit der Botschaftsmitarbeiter getroffen worden. Sie habe keinen Einfluss auf die Beziehungen zum Land selbst, betonte das State Department.

Präsident François Bozizé hatte die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die USA um militärische Hilfe gebeten. Paris winkte jedoch bereits ab. Frankreich werde sich »in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischen«, sagte Präsident François Hollande am Donnerstag in Paris.

Nach Informationen von Radio France International sind Rebellenverbände in den vergangenen Tagen bis auf 300 Kilometer Richtung Bangui vorgerückt. Ein Rebellensprecher dementierte nach diesen Angaben, die Truppen wollten die Stadt einnehmen.

Die Rebellen wollen Bozizé offenbar stürzen, weil der Präsident eine Friedensvereinbarung aus dem Jahr 2007 gebrochen haben soll. Am Sonntag waren sie in Bambari einmarschiert, der drittgrößten Stadt des Landes. Zuvor hatten sie bereits wichtige Bergbaugebiete im Westen unter ihre Kontrolle gebracht.

* Aus: neues deutschland, Samstag, 29. Dezember 2012


Paris entscheidet in Bangui

Von Martin Ling *

Es wird eng für den Herrscher der Zentralafrikanischen Republik: François Bozizé. Dafür sorgt nicht allein der Vormarsch der Rebellen, sondern insbesondere die Haltung Frankreichs: Präsident François Hollande hat unmissverständlich erklärt, dass sich Paris ohne ein UN-Mandat nicht in den internen Konflikt einmischen kann. Hält er sich daran, ist der Sturz Bozizés nur noch eine Frage der Zeit. Ohne die Gunst von Paris hat sich in der Zentralafrikanischen Republik weder vor noch nach der formalen Unabhängigkeit 1960 ein Potentat halten können.

Bozizé erlangte 2003 die Macht mit demselben Muster, das sich derzeit abspielt. Ein Rebellenvormarsch, dem Frankreich tatenlos zusieht, weil es in die eigenen Karten spielen könnte. Denn es ist kein Geheimnis, dass sich das Verhältnis zwischen Bangui und Paris in den vergangenen Jahren abgekühlt hat. Bozizé privatisierte die Erdölindustrie unter anderem zulasten der französischen Total AG, die bis dahin Hauptanteilseignerin am Staatskonzern war, auch der französische Energiekonzern Areva bekam die Abbaurechte für Uran seit lMitte 2007 nicht mehr zu einem Spottpreis. Undank ist der Welt Lohn, muss sich Paris gedacht haben, denn noch im März 2007 wurde eine Rebellenbewegung gegen Bozizé mit französischer Hilfe ganz ohne UN-Mandat im Keim erstickt. Wenn es Hollande mit einem Kurswandel ernst nähme, müsste er seine Soldaten aus Bangui abziehen - nach dem Sturz von Bozizé. Das unterblieb bisher noch bei jedem Machtwechsel. Franafrique verpflichtet.

** Aus: neues deutschland, Samstag, 29. Dezember 2012 (Kommentar)

Security Council demands halt to rebel attacks in Central African Republic

28 December 2012 – The Security Council has demanded that armed groups in the Central African Republic (CAR) immediately cease hostilities, following attacks on several towns in recent days, and called on all parties to seek a peaceful solution to the current crisis.

In a statement issued to the press, the 15-member body condemned “the continued attacks on several towns perpetrated by the ‘Seleka’ coalition of armed groups which gravely undermine the Libreville Comprehensive Peace Agreement and threaten the civilian population as well as the stability of the Central African Republic.”

The 2008 Libreville Agreement helped bring a degree of stability to CAR, which has a history of political instability and recurring armed conflict. Earlier this week, rebels reportedly captured the northern city of Bambari as well as the area around Bria.

“The members of the Security Council reiterate their demand that the armed groups immediately cease hostilities, withdraw from captured cities and cease any further advance towards the city of Bangui,” the statement added, referring to the capital of CAR.

“They call on all parties to refrain from any acts of violence against civilians and to respect human rights and emphasize that those responsible for violations should be held accountable. They call again on all parties to seek a peaceful solution by engaging constructively in an appropriate political dialogue.”

Secretary-General Ban Ki-moon on Wednesday condemned the rebel attacks and urged all parties to abide by the decisions of the Summit of the Heads of State of the Economic Community of Central African States (ECCAS), held in the Chadian capital of N’Djamena on 21 December, which provide a basis for a peaceful resolution of the dispute.

Mr. Ban’s Special Representative and Head of the UN Integrated Peacebuilding Office in the CAR (BINUCA), Margaret Vogt, continues to engage the Government and the rebel leaders with a view to ensuring a ceasefire and initiating dialogue.

Meanwhile, the UN is temporarily relocating dependents and non-essential staff amid the latest violence.

Source: UN News Centre, 28 December 2012; http://www.un.org




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