Venezuela: Putschplanungen abgehört, 29.06.2013 (Friedensratschlag)
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Putschplanungen abgehört

Venezuela: Führende Regierungsgegner wollten USA für Umsturz gewinnen

Von Modaira Rubio, Caracas *

Führende Vertreter der venezolanischen Opposition haben in den vergangenen Monaten wiederholt versucht, die USA für einen Umsturz in dem südamerikanischen Land zu gewinnen. Das geht aus einem abgehörten Gespräch zwischen der Parlamentsabgeordneten María Corina Machado und dem Universitätsprofessor Germán Carrera Damas von der oppositionellen »Bewegung 2D« hervor. Eine Aufnahme der Konversation präsentierten der Sprecher der regierenden Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), Jorge Rodríguez, und Informationsminister Ernesto Villegas am Mittwoch (Ortszeit) in Caracas.

In dem Gespräch räumte Machado ein, daß der Sekretär des Oppositionsbündnisses MUD, Ramón Guillermo Aveledo, gegenüber dem State Department in Washington erklärt habe, der beste Weg, sich vom Chavismo zu befreien, wäre eine Verschärfung der Wirtschaftssabotage und der sozialen Unzufriedenheit, damit die Revolution langfristig »an ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht«. In diesem Zusammenhang erklärte die Abgeordnete offen, sie sei eine Anhängerin eines »nicht über Wahlen oder Dialog« erreichten Auswegs. Auch den Begriff »Staatsstreich« nahm sie in den Mund. Deswegen gäbe es in der Opposition Kräfte, die sie als Sprecherin des Bündnisses ablösen wollten.

Wenn möglich, wolle sie selbst nach Washington reisen, um die Ereignisse in Venezuela zu beschleunigen, sagte Machado weiter und beklagte sich, daß der am 14. April unterlegene Oppositionskandidat Henrique Capriles Radonski die radikale Linie aufgegeben habe, die er in den ersten Tagen nach der Präsidentschaftswahl eingenommen hatte. »Henrique Capriles hat zeitweise eine standhafte Haltung eingenommen, aber dann hat er sich korrigiert«, klagte sie. Das sei ein »schreckliches Signal« an die Opposition gewesen.

Zur Analyse der Aufnahme erklärte Rodríguez, sie belege, daß die Opposition an zwei Formen eines Putsches in Venezuela gearbeitet habe. Machado habe sich für einen sofortigen und gewaltsamen Staatsstreich ausgesprochen, währende Aveledo auf eine mittelfristige Destabilisierung setze. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Aufnahme räumte Machado deren Authentizität ein. Sie sei während »eines privaten Gesprächs im Haus eines Professors mit seiner Schülerin« entstanden und sei somit illegal. Trotz der von ihr geäußerten Kritik an ihren Mitstreitern gebe es unter den Regierungsgegnern keinen Zwist: »Wir haben gegenseitig Vertrauen in unsere Positionen, außerdem wissen sie das, was ich privat geäußert habe, bereits, denn wir sprechen untereinander absolut offen und respektvoll.«

* Aus: junge Welt, Freitag, 28. Juni 2013


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