König Salman von Saudi-Arabien im Urlaub, 05.08.2015 (Friedensratschlag)
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Flucht oder Ferienspiele

König Salman von Saudi-Arabien ist von der Riviera nach Marokko gereist

Von Gerrit Hoekman *

Nizza, Cannes und Monte Carlo – die französische Cote d'Azur hat durchaus ihren Reiz, das können alle bestätigen, die schon mal da waren. Vorausgesetzt natürlich, man bringt das nötige Kleingeld mit, denn das Eldorado der Schönen und Reichen ist alles andere als billig. Der saudi-arabische König Salman muss sich um seine Reisekasse keine Sorgen machen, denn der wohlhabende Potentat vom Golf ist ein arabischer Dagobert Duck – er schwimmt im Geld. Deshalb kann es sich der 79jährige leisten, im Sommer vor der Gluthitze in seiner wüstenreichen Heimat in die Sommerfrische ans französische Mittelmeer zu fliehen, wo er sich im Badeort Vallauris, gleich neben Cannes, ein Anwesen oder besser gesagt einen Palast direkt an der Küste errichtet hat.

Auch dieses Jahr wollte der absolutistische Herrscher drei Wochen an der Riviera verbringen, zwei Jumbos brauchte er für sich und seinen engsten Hofstaat von 300 Personen, die mit ihm in seiner Villa wohnen dürfen. Insgesamt umfasst die Entourage des Königs angeblich 1.000 Personen, die sehr zur Freude der örtlichen Hoteliers die Nobelherbergen in und um Cannes belegten, wie der Sender France 24 berichtete.

Doch am Wochenende hat König Salman seine Ferien in Frankreich nach nur acht Tagen beendet und ist Hals über Kopf abgereist. Ins marokkanische Tanger, heißt es, zu seinem Monarchenkumpel Mohammed VI. Was ist passiert? Dass König Salman die Kreditkarte gesperrt wurden, ist kaum anzunehmen, vielmehr hat ihn wohl der Protest erboster Franzosen in die Flucht getrieben. Weit über 100.000 Menschen unterschrieben in den letzten Tagen eine Petition, die ein Ende der Privilegien forderte, die der Gast aus Saudi-Arabien in Vallauris genoss.

Um ihm den Aufenthalt so gemütlich wie möglich zu machen, hatten die staatlichen Stellen extra einen öffentlichen Strand abgesperrt und ihn zu einer privaten Badeanstalt umfunktioniert. Auf dem Meer kreuzende Boote mussten mindestens 300 Abstand vom Ufer halten, berichtete der Guardian vor 14 Tagen, kurz bevor der König eintreffen sollte.

Nicht nur die Absperrung des Strandes brachte die Einheimischen auf die Palme, auch die eigenmächtige Art der Saudis kam nicht gut an. Ohne um Erlaubnis zu fragen, fingen die Saudis mit dem Bau eines Fahrstuhls an, der den König direkt an den Strand bringen sollte. Die Bürgermeisterin von Vallauris, Michelle Salucki, schrieb laut France 24 deshalb sogar einen Brief an Präsident Francois Hollande. »Wir verstehen die Sicherheitsfragen und das weitergehende Interesse der Nation. Aber niemand kann sich selbst außerhalb der Gesetze des Landes stellen«, klagte sie verärgert.

Die Verwaltung nickte die illegal errichtete Konstruktion im nachhinein ab, als die Gäste versprachen, nach der Abreise alles wieder rückgängig zu machen. Das großzügige Entgegenkommen wundert nicht, wenn man bedenkt, dass Frankreich erst im Juni einen Megadeal über zwölf Milliarden Euro mit Saudi-Arabien abgeschlossen hat. Darin enthalten ist der Bau von zwei Kernreaktoren und der Verkauf von 23 Hubschraubern und 50 Airbus-Flugzeugen.

Der überhastete Ferienabbruch des Monarchen trifft die Geschäftsleute in der Region hart. »Die Saudis gucken nicht aufs Geld«, gibt Michel Chevillon, Chef des Hotelierverbandes von Cannes, in der Lokalzeitung Nice-Matin preis. »Jeden Tag bestellen sie 10.000 bis 15.000 Blumen, Hunderte Limousinen sind unterwegs, und genauso viele Chauffeure haben Arbeit.« Das Königshaus verneint unterdessen, dass der König und 500 Personen seines Hofstaats wegen der Proteste in Frankreich nach Tanger geflogen sei. Das berichtete am Montag der Guardian unter Berufung auf eine nicht näher bestimmte saudische Quelle. Die Reise sei vielmehr ein Teil des Ferienprogramms. Ob König Salman in diesem Sommer noch einmal nach Frankreich zurückkehrt, sei unbekannt. Mit dem Abbau des Fahrstuhls soll jedenfalls erst in einigen Wochen begonnen werden.

* Aus: junge Welt, Dienstag, 4. August 2915


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