Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle zum "Krieg gegen den Terror", 06.10.2002 (Friedensratschlag)
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Nicht in unserem Namen!

Erklärung von 120 Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen

Anlässlich des ersten Jahrestags des Beginns des Krieges gegen Afghanistan veröffentlichten 120 Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle einen Aufruf, der sich gegen die Fortsetzung des "Krieges gegen den Terror" richtet. Die Überschrift des Aufrufs "Nicht in unserem Namen!" lehnt sich bewusst an den gleichnamigen Aufruf aus den USA an, der bereits von einigen Tausend Intellektuellen unterzeichnet wurde. Wir dokumentieren den Aufruf und geben auch die Adresse der Initiatoren an, die um weitere Unterschriften bitten.


6.Oktober 2002:

Nicht in unserem Namen!

Heute vor einem Jahr begann mit der Bombardierung Afghanistans der "Krieg gegen den Terror ", ein Krieg, der schon jetzt unzählige zivile Opfer gefordert hat und dessen Ende nicht abzusehen ist. Auch wir sind der Meinung, dass der Terrorismus ein abscheuliches Verbrechen und eine Geißel der Menschheit ist. Auch wir sind der Meinung, dass es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht des Staates und der Völkergemeinschaft ist, den Terrorismus zu bekämpfen. Wir sind aber davon überzeugt, dass Krieg das falsche Mittel ist, um den Terrorismus aus der Welt zu schaffen. Terrorismus muss wie jede Form der Kriminalität mit polizeilichen Maßnahmen bekämpft werden, wobei militärische Mittel nicht ausgeschlossen sind, die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel aber strikt zu beachten ist.

Wir nehmen den ersten Jahrestag der Bombardierung Afghanistans zum Anlass, um zusammen mit vielen Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen in den USA und in anderen Ländern der Welt vor der Kriegspolitik der Bush-Administration zu warnen. Es widerspricht dem Geist und dem Buchstaben des internationalen Rechts und den von allen Völkern geteilten moralischen Vorstellungen, einen Präventivkrieg gegen den Irak zu führen, wie es der Präsident der USA offenbar beabsichtigt. Wir erklären uns solidarisch mit unseren amerikanischen Freunden, die in dem heute in den USA herrschenden Klima der Verdächtigung und der Intoleranz, das dem Geist der amerikanischen Verfassung widerspricht, dennoch ihre Stimme erheben, um deutlich zu machen, dass ein Präsident, der auf Terror mit Krieg antwortet, nicht in ihrem Namen spricht und handelt.

Wer den Terrorismus wirksam bekämpfen will, muss die Vereinten Nationen stärken, damit sie dem Recht überall auf der Welt Geltung verschaffen können. Wer den Terrorismus wirksam bekämpfen will, darf nicht auf eigene Faust Rache üben, sondern muss dafür sorgen, dass ein internationales Gewaltmonopol unter dem Dach der Vereinten Nationen durchgesetzt wird, das den Frieden weltweit sichern kann. Wer den Terrorismus wirksam bekämpfen will, muss auch seine sozialen Ursachen ins Auge fassen, vor allem die ungerechte Verteilung der Reichtümer der Erde und die Demütigung fremder Kulturen durch die Arroganz einiger Führer des Westens.

Günter Altner, Klaus Bochmann, Rene Böll, Fred Breinersdorfer, Katja Ebstein, Karl Otto Conrady, Hella Eckert, Hannelore Elsner, Peter Ensikat, Klas Everwyn, Jürgen Flimm, Siegfried Gerlich, Günter Grass, Jürgen Habermas, Gert Heidenreich, Hannelore Hoger, Willi Jasper, Walter Jens, Kirsten Klöckner, Gerhard Köpf, Regine Möbius, Hans Mommsen, Oskar Negt, Siegfried Neuenhausen, Max Neumann, Christian Nürnberger, Dagmar Ploetz, Harry Pross, Will Quadflieg, Eva und Peter Rühmkorf, Asta Scheib, Friedrich Schorlemmer, Klaus Staeck, Gerhard Steidl, Carola Stern, Johano Strasser, Barbara Strohschein, Uwe Timm, Klaus Überall, Wolfgang Völz und 80 weiter Unterzeichner



Ich schließe mich dem Aufruf an und bin mit der Veröffentlichung meines Namens einverstanden:

e-mail: amd@staeck.de

Oder per Post/Fax an: Aktion für mehr Demokratie
c/o Staeck/Strasser. 69010 Heidelberg,
Postfach 102063
Telefon 06221 / 24 753, Fax 06221 / 600 230


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