Afghanistan: Anschlag auf Krankenhaus, 27.06.2011 (Friedensratschlag)
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Anschlag auf Krankenhaus

38 Todesopfer / Afghanische Taliban weisen Beteiligung zurück *

Ein Krankenhaus in der zentralafghanischen Provinz Logar ist Ziel einesmörderischen Angriffs geworden. Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder. Die Taliban wiesen eine Beteiligung zurück. Belgien kündigte den Abzug von Soldaten an.

Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Krankenhaus im Osten Afghanistans sind am Samstag (25. Juni) 38 Menschen getötet und 50 weitere verletzt worden. Das Gesundheitsministerium sprach in einer ersten Mitteilung von einem »beispiellosen« Anschlag mit 60 Toten und 120 Verletzten, korrigierte die Zahlen am Samstagabend jedoch auf 20 Tote und 25 Verletzte. Am Sonntag (26. Juni) dann erklärte die Gesundheitsbehörde der Provinz Logar, wo der Anschlag verübt wurde, bei dem Anschlag seien 38 Menschen getötet und 50 verletzt worden. Ein Sprecher der Provinzregierung von Logar sagte, das Attentat sei mit einem mit Sprengstoff beladenen Geländewagen verübt worden. Präsident Hamid Karsai verurteilte die Tat als »grausam und dumm«.

Die Taliban wiesen jede Verantwortung zurück. »Wir verurteilen diesen Angriff auf ein Krankenhaus«, erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Wer immer dies getan habe, wolle »die Taliban verleumden«. Die Aufständischen verüben oft Anschläge auf die Polizei, Behörden und ausländische Soldaten. Die meisten Opfer gibt es dabei nach UN-Angaben jedoch in der Zivilbevölkerung.

Erst am Freitag (24. Juni) war auf einem Basar im Norden Afghanistans ein Anschlag verübt worden. Dabei wurden zehn Menschen getötet und 24 weitere verletzt. Auf dem Basar im Bezirk Chan Abad in der Provinz Kundus explodierte ein an einem Fahrrad befestigter Sprengsatz. Behördenvertreter machten die Taliban für den Anschlag verantwortlich.

Belgien will die Stärke seiner Truppen in Afghanistan ab 2012 halbieren. Die Zahl werde von 585 auf rund 300 Soldaten verringert, sagte ein Sprecher von Verteidigungsminister Pieter de Crem am Sonntag (26. Juni). Am stärksten betroffen von dem Teilabzug sei die Hauptstadt Kabul. Dort sind derzeit 325 belgische Soldaten zur Sicherung des Flughafens eingesetzt. Betroffen von dem Teilabzug sei auch die Provinz Kundus, die im Verantwortungsbereich der Bundeswehr liegt. Belgisches Militär beteiligt sich dort an der Ausbildung afghanischer Soldaten. In welchem Zeitraum die Soldaten genau abgezogen werden sollen, sagte Ministeriumssprecher Didier Deweerdt nicht. Bleiben will Belgien vorerst im südlichen Kandahar, wo sechs F-16-Kampfjets stationiert sind.

Der Teilabzug liege auf einer Linie mit den Ankündigungen der USA und Frankreichs, ihre Truppen in Afghanistan zu verringern, sagte Deweerdt gegenüber AFP weiter. US-Präsident Barack Obama hatte am Mittwoch erklärt, die Vereinigten Staaten würden ab Juli binnen eines Jahres ein Drittel ihrer derzeit 99 000 US-Soldaten in Afghanistan abzuziehen. Mehrere NATO-Länder kündigten darauf an, sie wollten gleichfalls mit einem schrittweisen Abzug beginnen, der 2014 mit der vollständigen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an Afghanistans Armee und Polizei abgeschlossen sein soll.

* Aus: Neues Deutschland, 27. Juni 2011


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