In eigener Sache (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

"In eigener Sache" 5

Die wichtigsten Mitteilungen 2003

Unter dieser Rubrik berichten wir in unregelmäßigen Abständen über innere Entwicklungen der AG Friedensforschung an der Universität Gesamthochschule Kassel, die den jährlichen Friedensratschlag veranstaltet, sowie über verwandte Themen und Ereignisse.




Kassel, den 22. Dezember 2003

Nach dem Friedensratschlag

Die Organisatoren der "Friedenspolitischen Ratschläge" teilen das Jahr gern in die Zeit "vor" und "nach dem Ratschlag" ein. Da die Ratschläge immer am ersten Dezemberwochenende stattfinden, enstpricht diese Einteilung in etwa auch den kalendarischen Gepflogenheiten. Nach dem Ratschlag ist auch das Jahr gelaufen. Wären da nicht noch die Auswertung und Rechenschaftslegung!

Vor dem Friedensratschlag am 6./7. Dezember 2003 war nur eines sicher: Es wird das zehnjährige Jubiläum begangen. Die Sorge, der Kongress könnte unter der vielfach diagnostizierten "Erschlaffung" der Friedensbewegung leiden und müsste vor fast leeren Rängen stattfinden, erwies sich als unbegründet. Mit 380 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren die diversen Angebote des "Ratschlags" sogar besser besucht als je zuvor. Die fünf Plenarveranstaltungen, 18 Workshops, Foren und Arbeitsgruppen erfreuten sich großen Zuspruchs und wurden zu lebhaften Diskussionen genutzt. Das bereits beim 9. Ratschlag praktizierte Verfahren, am Samstagnachmittag die Plenumsreferate in sich anschließenden getrennten Foren zu diskutieren, hat sich auch diesmal bewährt: Die Leute drängten sich um mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Vereinzelten Klagen, dass einige Arbeitsgruppen durch lange Referate überfrachtet gewesen seien, stand die überwiegende Auffassung entgegen, dass man (frau natürlich auch) beim "Ratschlag" so viele Informationen erhalte, dass man lange davon "zehren" könne. (Vgl. auch unseren Bericht "Das gibt es sonst nirgends".)

Das liegt nicht zuletzt an den Referentinnen und Referenten - allesamt Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Von den 45 im Programm ausgedruckten Referent/innen und Moderator/innen waren 44 auch tatsächlich gekommen - eine einzige Referentin musste aus Krankheitsgründen absagen. (Sie wurde dankenswerterweise vom dazugehörigen Moderator "ersetzt", der kurzfristig in die Rolle des Referenten schlüpfte, sodass auch diese Arbeitsgruppe "planmäßig" stattfinden konnte.) Gemessen an anderen Kongressen ähnlicher Größenordnung ist dieses hohe Maß an Zuverlässigkeit rekordverdächtig. (Oder sind die Referent/innen in Sachen Frieden nur gesünder als andere?)

Ein Wermutstropfen bleibt bei der Rechenschaftslegung: Schon vor einer endgültigen Bilanz der Einnahmen und Ausgaben (einige Rechnungen stehen noch aus) lässt sich sagen, dass der 10. Ratschlag mit einem Defizit abschließen wird. Es zeigte sich doch, dass ein derart anspruchsvolles Programm (einschließlich der niveauvollen, gleichwohl nicht unumstrittenen kulturellen Abendveranstaltung) mit leckerem Abendessen von den seit einigen Jahren unverändert geringen Teilnehmerbeiträgen nicht (mehr) zu finanzieren ist. An eine Anhebung der Beiträge mag von uns aber niemand denken. Wer schon die Anreise und die Übernachtung in Kassel bezahlen muss (und viele kommen von weit her), darf nicht noch beim Einlass "abgezockt" werden. Auch in Zeiten allgemeinen Sozialabbaus soll sich den Friedensratschlag prinzipiell jede/r leisten können.

Nach dem Friedensratschlag ist vor dem Friedensratschlag! Mag sein. Dazwischen aber ist so viel anderes zu tun, dass mit der Vorbereitung des 11. Ratschlags nicht vor dem nächsten Sommer/Herbst begonnen wird. Zunächst gilt es den abgelaufenen Ratschlag "aufzuarbeiten". Das beginnt mit der Publikation der Ergebnisse, Referate, Vorträge usw. Ein wenig davon haben wir bereits auf der Homepage veröffentlicht (vgl. unsere Abteilung: "Friedensratschlag 2003", anderes wird folgen und die Dokumentation des "Ratschlags" in Buchform wird diesmal (hoffentlich) nicht so lange auf sich warten lassen wie in den letzten Jahren. Die nächsten Wochen und Monate werden für engagierte Friedenswissenschaftler und für Aktivistinnen und Aktivisten der Friedensbewegung angefüllt sein mit vielfältigen Aktivitäten gegen alte und neue Kriege, gegen die Umwandlung der Europäischen Union in ein Militärbündnis, gegen die Weiterentwicklung von Atomwaffen (sog. mini-nukes) und für einen gerechten Frieden im israelisch-palästinensischen Konflikt (vgl. hierzu die Erklärung des "Ratschlags": "Es ist höchste Zeit zur Umkehr"). Hinzu kommt die Beteiligung der Friedensbewegung an den Kämpfen gegen Sozialabbau, Einführung von Studiengebühren, Verschlechterung der Lehr-/Lernbedingungen an Schulen und Hochschulen u.v.a.m. Der Bundesausschuss Friedensratschlag wird hierzu die von ihm und dem Gewerkschaftlichen Netzwerk gegen den Krieg initiierte Kampagne "Abrüstung statt Sozialabbau" weiterführen. Und im Sommer soll überlegt werden, ob wir nicht ein zusätzliches inhaltliches Angebot in Form einer "Sommerakademie" oder "Friedensuniversität" anbieten können.

Es bleibt also, gleichgültig ob "vor" oder "nach" dem Ratschlag, viel zu tun. Die kommenden Projekte werden sich umso besser realisieren lassen, wenn wir dem Bundesausschuss Friedensratschlag auch finanziell etwas unter die Arme greifen. Anders als so manche Friedens-"Groß"organisation hat der "Ratschlag" weder Mitgliedsbeiträge noch Sponsoren, ist also ganz auf das Engagement der Aktiven selbst angewiesen. Ein bisschen Sponsorentum darüber hinaus kann also nichts schaden. Vorsorglich gebe ich daher die beiden Konto-Nummern bekannt, die für steuerabzugsfähige Spenden genutzt werden können, wenn jemand die Arbeit des "Friedensratschlags" gezielt unterstützen möchte:
  • Kasseler Forum für den Frieden e.V.
    Kt. Nr. 065508
    bei Kasseler Sparkasse, BLZ 520 503 53
    oder
  • Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V. Frankfurt
    Kt. Nr. 200081390
    bei Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01
Bleibt mir noch, allen Besuchern dieser Homepage erholsame Feiertag und einen guten Rutsch in ein hoffentlich weniger kriegerisches Jahr 2004 zu wünschen.

Peter Strutynski




Kassel, den 26. November 2003

Friedensratschlag: Noch 10 Tage

Im Folgenden dokumentieren wir den Rundbrief, den der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag 10 Tage vor Beginn der großen Konferenz in Kassel herausgegeben hat.

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Diesmal sechs wichtige Informationen:
  1. Bewegungen gegen Sozialabbau
    Es hat den Anschein, als sei die Friedensbewegung nach ihrem Höhenflug vor und während des Irakkkriegs wieder auf ihre harten Kerne zurückgestutzt worden. Wer genauer hinsieht, wird jedoch feststellen, dass die Aktivitäten vor Ort überall weiter gegangen sind - nur mit weniger Resonanz in der Öffentlichkeit (was zuallererst heißt: weniger Beachtung bei den Medien).
    Jede Bewegung ist Schwankungen und "Konjunkturen" unterworfen (sonst wäre es keine Bewegung, sondern etwas Starres, Unveränderliches). Wer hätte gedacht, dass z.B. die Studierenden, die (von Ausnahmen abgesehen) beim Irakkrieg den A... buchstäblich nicht hochgekriegt haben, nun an vielen Hochschulen phantasievolle und machtvolle Aktionen bis hin zu aktiven Streiks veranstalten, wie es sie seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Demonstration er 100.000 am 1. November in Berlin hat ebenfalls gezeigt, dass die Sozialabbaupolitik der Regierenden längst die Schmerzgrenze der abhängig Beschäftigten erreicht hat. Aufbegehren ist angesagt.
  2. Europäisches Sozialforum und "Friedensratschlag"
    Nach dem Europäischen Sozialforum in Paris Mitte November, der für den 20. März nächsten Jahres einen Aktionstag gegen den Krieg und für den 9. Mai einen europaweiten Protest gegen die EU-Verfassung beschlossen hat, ist es an uns, diese Vorschläge auf unsere Verhältnisse herunterzubrechen.
    Die Abschlusserklärung von Paris/Saint-Denis befindet sich auf der Homepage:
    "Abschlusserklärung ..."
    Die Friedensbewegung ist nicht die treibende Kraft, aber vielleicht nicht ganz unwesentlicher Teil der sozialen und globalisierungskritischen Bewegungen. Daher macht es Sinn, wenn über den spezifischen Beitrag der Friedensbewegung zu den sozialen Kämpfen beim nächsten Friedenspolitischen Ratschlag gesprochen und wenn möglich auch schon erste Verabredungen getroffen werden. Foren und Arbeitsgruppen sind an beiden Tagen vorgesehen zu den Themen
    • Militarisierung der EU/EU-Verfassung, Europawahlen 2004;
    • "Abrüstung statt Sozialabbau" - Wie weiter mit der Kampagne?
    Auf der IMI-Tagung am letzten Wochenende wurde u.a. beschlossen, dieses ganze aktionsträchtige Paket beim "Ratschlag am 6./7. Dezember in Kassel weiter zu bearbeiten. Wir werden dieser Anregung folgen.
  3. Weitere Themen auf dem "Ratschlag"
    Daneben gibt es natürlich noch jede Menge anderer Themen. Z.B. sollen auch Weichenstellungen für die Fortführung des (Irak-)Kriegstribunals getroffen werden. Es geht darüber hinaus um den Nahen Osten, umd den Islam, den Terrorismus, um Afrika, um die Neue Welt(un)ordnung, um Atomwaffen, Waffeninspektionen, um die Friedensbewegung usw. usf.
    Das gesamte Programm könnt ihr auf der Homepage des Friedensratschlags einsehen: Einladung und Programm
  4. Ausstellungen und Demonstrationsmaterial
    Es gehört schon zum guten Brauch, dass zu den Ratschlägen nach Kassel diverse Ausstellungsmaterialien mitgebracht werden, um sie dort anderen Initiativen und Friedensorganisationen zu zeigen. Auch so kann man voneinander lernen. Hierzu steht die große Wandelhalle zur Verfügung. Wir werden uns wieder um Stellwände bemühen, allzu viele sind aber nicht vorhanden. Ihr seid also auf eure Improvisationskünste angewiesen.
  5. Noch Plätze vorhanden?
    Hin und wieder kommt die Frage: Kann ich mich noch anmelden, oder ist es zu spät? Seid ihr schon voll? Dazu klipp und klar: Erstens ist uns jede(r) Friedensaktivist/in und wer es werden möchte von ganzem Herzen willkommen. Zweitens: Platz in der kleinsten Hütte. Drittens: Zugangsbeschränkungen lehne ich persönlich genauso ab wie Studiengebühren. Viertens: Wir haben noch längst nicht an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen. Fünftens: Es gibt auch noch Privatquertiere (solang der Vorrat reicht). Und sechstens: Zeigen wir einer staunenden (Medien-)Öffentlichkeit auch durch einen gut besuchten "Ratschlag", dass die Friedensbewegung quicklebendig ist und etwas zu sagen hat. Insofern gilt auch für dieses Rundmail, was der "Pax Report" in seiner letzten Ausgabe getitelt hat: "Auf nach Kassel!"
  6. Anmeldungen
    Anmeldungen bitte an: mailto:strutype@uni-kassel.de
    Wer ein Privatquartier braucht, sollte zusätzlich zur Adresse noch eine Tel. Nr. angeben, damit man kurzfristig Bescheid geben kann.
Mit besten Grüßen
euer/Ihr Peter Strutynski
(Bundesausschuss Friedensratchlag)




Kassel, den 12. September 2003

3,6 Millionen

Es ist schon länger her, dass wir uns "in eigener Sache" zu Wort gemeldet haben. Der Grund für unser Schweigen liegt nicht darin, dass wir nichts zu sagen gehabt hätten oder gar dass wir keine Probleme und Anliegen hätten. Ganz im Gegenteil: Die Weltpolitik verläuft in derart unheilvollen Bahnen, dass man in seiner doppelten Eigenschaft als Friedenswissenschaftler und homo politicus am liebsten Tag und Nacht seine Bedenken und Sorgen zum Ausdruck bringen möchte. Und manches, was sich auf unserer Homepage den Außenstehenden wie von selbst versteht (täglich neue interessante Beiträge, faktenreiche und sehr ausführliche "Chroniken" zu den Ereignissen im Irak, im Nahen Osten, in Afghanistan, Korea oder im indisch-pakistanischen Kaschmir-Konflikt und im Iran und immer wieder ansonsten schwer zugängliche Dokumente), läuft längst nicht so routinemäßig, wie es vielleicht den Anschein hat, sondern muss unserem stets knappen Zeitbudget buchstäblich abgerungen werden.

Dabei hat sich die Website der AG Friedensforschung an der Uni Kassel ausgesprochen erfolgreich entwickelt: In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurde sie schon 3,6 Millionen Mal besucht (im gleichen Vorjahreszeitraum waren es "nur" 1,7 Millionen). Dies verpflichtet natürlich. Das überaus große Interesse an unserem inhaltlichen Angebot muss kontinuierlich befriedigt werden und erfordert eine Ausweitung unserer Themenvielfalt und die qualitative Verbesserung der Beiträge. Immerhin nähert sich das Weltarchiv langsam aber sicher der 100er-Marke: D.h. wir werden bald 100 Staaten bzw. Regionen in unserer Übersicht haben, über deren politische, ökonomische und soziale Entwicklung wir zumindest sporadisch informieren. Auch kommen immer neue Rubriken auf der Themenseite hinzu und erlauben eine gezieltere Suche nach Artikeln und Dokumenten. Immer häufiger informieren wir anhand von Originaldokumenten - sei´s der Vereinten Nationen (Resolutionen des UN-Sicherheitsrats z.B.), sei´s der Regierung der Vereinigten Staaten ("beliebt": die Bush-Reden), sei´s der deutschen Regierung oder der Europäischen Union. Beispielsweise hat sich die Dokumentation des Verfassungsentwurfs der EU, die wir vor wenigen Wochen ins Netz gestellt haben, als großer Hit des Monats August entpuppt, und auch das Strategiepapier von Javier Solana - erster Vorläufer einer europäischen Militärdoktrin - erfreut sich großer Beliebtheit. Unsere Dokumentationen sind wohl auch deshalb so begehrt, weil wir häufig die Dokumente zweisprachig veröffentlichen (in der Regel englisch und deutsch).

Hin und wieder erhalten wir kritische Stimmen, die etwa monieren, dass wir Reden des US-Präsidenten oder seiner Sicherheitsberaterin oder andere "amtliche" politische Dokumente publizieren, obwohl diese häufig banal sind oder ihrer inhaltlichen Aussage nach wenig friedensfördernd erscheinen. Wir stehen zu dieser "Einseitigkeit",
  1. weil es sich um amtliche Äußerungen handelt, in denen wichtige politische Positionen enthalten sind, die ihrerseits die Weltpolitik stark beeinflussen,
  2. weil diese Dokumente durchaus eingebunden sind in eine Vielzahl kritischer Analysen und Kommentare - bis hin zur Dokumentation von alternativen Meinungsäußerungen anderer politischer Kräfte (Friedenswissenschaftler, Politiker, Globalisierungskritiker, Friedensbewegung usw.),
  3. weil wir den Besuchern unserer Homepage zutrauen, sich eine eigene kritische Meinung zu den außen- und sicherheitspolitischen Tagesfragen zu bilden bzw. sie schon zu haben.
Dennoch haben wir insgesamt noch ein Defizit an tagesaktuellen kritischen Kommentaren und an gründlichen Analysen zu den verschiedenen Verzweigungen der Weltpolitik. Insbesondere fehlt es an zwei Dingen:
  1. Es gibt noch viel zu wenig Hintergrundberichte über die Entwicklung in Konfliktregionen oder einzelnen Ländern der Welt. Ein Weltarchiv behält seinen Gebrauchswert für den Besucher nur dann, wenn immer wieder neue Informationen aufgenommen werden, wenn wichtige aktuelle Ereignisse abgebildet werden.
  2. Es fehlt an orientierenden, zum Nachdenken, auch zum Widerspruch anregenden Kommentierungen zentraler Fragen der internationalen Politik. Jede überregionale Zeitung, die etwas auf sich hält, kennt Leitartikel und Kommentar als Mittel der Informationspolitik. Und jede Leseranalyse zeigt, dass solche Artikel von politisch interessierten Menschen meist als erstes gelesen werden.
Nun gibt es hier zu Lande eine immer noch relativ gut etablierte Zunft hoch motivierter und engagierter Friedensforscher/innen. Wir würden uns wünschen, dass aus diesem großen Potenzial professioneller kritischer Beschäftigung mit Fragen von "Krieg und Frieden" sich noch mehr Kolleginnen und Kollegen bereit fänden, hin und wieder einen Kommentar für unsere Homepage zu schreiben. Bei entsprechendem Zulauf interessierter Kommentatoren könnten wir sogar eine Rubrik "Kommentar der Woche" einrichten. Die darauf erscheinenden Artikel wären mit Sicherheit auch die "Renner" der Woche, d.h. die Autorin/der Autor könnte einer gewissen Resonanz sicher sein. Ganz nebenbei würde das für manche/n Wissenschaftler/in bedeuten, den berühmten Elfenbeinturm zu verlassen. Denn eines ist sicher: Die Besucher unseres Internetangebots kommen nicht nur aus der Wissenschaft, sind nicht nur "Akademiker", sondern gehören allen Schichten der Bevölkerung und vielen Berufszweigen sowie vielen Weltanschauungen und Religionen (einschließlich Nicht-Religion) an.

Pst

Wir sind für Ihre Anregungen, für Ihre Kommentare und Beiträge da unter der e-mail-Adresse: strutype@uni-kassel.de




Kassel, den 8. April 2003

Nun hat uns auch "Spiegel-Online" entdeckt. Am 7. April erschien ein Beitrag von Mareike Müller (Titel: "Nachrichten für Friedensbewegte"), in dem sie verschiedene Internetpräsentationen zum Thema Frieden/Friedensbewegung untersucht und miteinander vergleicht. Dabei kommt sie zu einem für unsere Homepage durchaus schmeichelhaften Ergebnis. Was wir immer vermutet, aber uns nie zu sagen getraut haben: Unsere Homepage zeichnet sich durch eine geballte Ladung Informationen und einen hohen Aktualitätsgrad aus. Die "Argumentation" steht bei uns im Vordergrund, stelle Frau Müller fest und erwähnt u.a. lobend die Kriegschronik.

In dem Beitrag heißt es über uns:
"Agieren ist das eine, argumentieren das andere: Worte gegen den Krieg zu formulieren gehört zur Tradition der deutschen Friedensbewegung wie die weiße Taube aufs Tuch. Dossiers, Kommentare oder Referate bietet die Organisation Friedensratschlag an, eine universitäre Arbeitsgemeinschaft, die mit dem Bundesausschuss Friedensratschlag kooperiert.
Wissenschaftlich aufgemacht, sind hier durchwegs aktuelle Statements verschiedener Kriegsgegner versammelt - von Kirchenvertretern, Politikern, Akademikern. Eine Seltenheit unter den Friedensseiten: eine Chronik des Kriegsgeschehens. Aktuelle Meldungen aus den Medien werden mit einem Tag Rückstand (und ohne Quellenangabe) zusammengefasst. Die Informationen sind nicht danach selektiert, eine Haltung auszudrücken, sondern sammeln nüchtern Fakten."


Der hohe Informationsgehalt unserer Homepage wird von immer mehr Menschen erkannt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres schnellten die Besucherzahlen und die Seitenanfragen in einem noch nie gekannten Ausmaß nach oben. Neben der "Chronik eines angekündigten Krieges", die wir seit Sommer letzten Jahres im Netz haben, erfreuen sich sowohl kritische Analysen (z.B. wissenschaftliche Expertisen zur Völkerrechtswidrigkeit des Irakkrieges) als auch politische Dokumentationen besonderer Beliebtheit. Die Resolution 1441 beispielsweise, die wir seinerzeit als erste in deutscher und englischer Sprache ins Netz gestellt haben, ist mittlerweile mehrere tausend Mal aufgerufen worden, Reden und Artikel von Bush, Powell, Rumsfeld, Condoleezza Rice und anderen finden ebenfalls Beachtung und mit Genugtuung beobachten wir, dass trotz Irakkrieg auch Bedarf nach Informationen über andere Krisenherde vorhanden ist. Hier ist es insbesondere der Nahostkonflikt, aber auch Afghanistan oder der indisch-pakistanische Konflikt interessieren die Besucher.

Wir werden dieser Linie treu bleiben. Hintergrundberichte, Analysen, Länderberichte, Dossiers über wichtige friedenspolitische Themen und Originaldokumente aus Politik und Friedensbewegung werden weiterhin den Schwerpunkt unserer Arbeit an der Homepage bilden. Das macht diese Seiten unverwechselbar.

Pst




Kassel, den 7. Januar 2003

Zu Beginn des neuen Jahres bleibt nicht mehr viel Zeit, um auf die Regierenden jenseits und diesseits des Atlantiks einzuwirken, den lange angekündigten und minutiös vorbereiteten Krieg gegen Irak doch noch abzublasen. Ende Januar könnten im UN-Sicherheitsrat die diplomatischen Weichen gestellt werden (auch wenn es keine ausdrückliche Kriegsermächtigung geben wird, werden die USA eine Ermächtigung zum Krieg herauslesen) und noch im Februar könnte der bisher größte Krieg des 21. Jahrhunderts beginnen. Wenn nicht, ja, wenn nicht die Menschen in den USA und in Europa und die Staaten der Welt diesen programmierten Wahnsinn verhindern. Dazu wird politischer Druck notwendig sein, der über all das hinausgeht, was Friedens- und globalisierungskritische Bewegungen in den letzten Monaten organisiert haben - und das war weltweit gar nicht so wenig.

Hohe Wertschätzung der Homepage

Auch über die zurückliegenden Feiertage haben wir zahlreiche Briefe (Pardon: e-mails) erhalten, in denen zweierlei zum Ausdruck kam: Einmal die Sorge um den labilen Frieden im Nahen Osten (ein Frieden, der, wie wir fast täglich erfahren, weder für Israel noch für die palästinensischen Autonomiegebiete gilt), zum anderen die Wertschätzung gegenüber der Gestaltung unserer Homepage. Letzteres ist - neben der Herausgabe der Kasseler Schriftenreihe zur Friedenspolitik und der Organisation von Veranstaltungen - die Arbeit, die den Namen der AG Friedensforschung am wirkungsvollsten in die (buchstäblich) "weite Welt" hinaus trägt. Und zwar millionenfach, wie wir aufgrund der monatlichen Statistik mittlerweile mit gewissem Stolz behaupten dürfen! Dieses Ergebnis ist gleichzzeitig natürlich auch Verpflichtung: Es verlangt geradezu, den bisherigen Standard zu halten und zu erhöhen. Dazu sind wir zunehmend auch auf die Mitwirkung vieler Kolleginnen und Kollegen außerhalb Kassels angewiesen. Was wir dringend brauchen, ist die Mithilfe bei der inhaltlichen Gestaltung unseres "Weltarchivs" (Länder und Regionen). Wissenschaftliche Arbeiten und journalistische Recherchen zu einzelnen Ländern und Konflikregionen werden von uns gern entgegengenommen und ebenso gern ins Netz gestellt. Auch Grundlageninformationen zu einzelnen Ländern würden wir gern veröffentlichen, weil sie für Informationssuchende oft von großer Bedeutung sind. Als Beispiel für solche einführenden Grundlagentexte mag der Bericht über die Philippinen dienen. Wer also Lust hat, beim weiteren Aufbau des "Weltarchivs" behilflich zu sein, ist herzlich dazu eingeladen.

Ein anders gelagerter Punkt ist die Arbeit des Bundesausschusses Friedensratschlag, der - auch durch eine Art Personalunion - mit der AG Friedensforschung hinsichtlich der Gestaltung der Homepage kooperiert. Darüber hinaus ist der "Friedensratschlag" mit seinen jährlichen Konferenzen in Kassel eine feste Größe an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Friedensbewegung geworden. Die Erwartungen, die an "Kassel" gestellt werden, sind jedenfalls sehr hoch.

Hohe Erwartungen an den "Friedensratschlag"

Damit diesen hohen Erwartungen auch in Zukunft entsprochen werden kann, wird auch der "Friedensratschlag" seine Arbeit verstetigen und in gewisser Weise professionalisieren müssen. Dazu bedarf es künftig auch einer ständigen Vertretung in Berlin - in Form eines Büros mit einer entsprechenden quasi "hauptamtlichen" Besetzung. Niemand weiß, wie das in absehbarer Zeit zu bewerkstelligen sein wird, sicher ist jedoch, dass der Weg beschritten werden muss. Und dieser Weg - man ahnt ja schon, was kommt! - ist mit Geld gepflastert. Weder ein Büro in Berlin noch dessen zeitweise Besetzung sind zum Nulltarif zu haben. Und der Bundesausschuss Friedensratschlag hat sich - als einzige überregionale Friedensvereinigung - Jahre lang vornehm zurückgehalten, wenn es um das Eintreiben von Spenden ging. Ich denke, diese Zeit ist vorbei.

Um die letzten Worte zu unterstreichen, gebe ich die beiden Konto-Nummern bekannt, die für steuerabzugsfähige Spenden genutzt werden können, wenn jemand die Arbeit des "Friedensratschlags" gezielt unterstützen möchte:
  • Kasseler Forum für den Frieden e.V.
    Kt. Nr. 065508
    bei Kasseler Sparkasse, BLZ 520 503 53
    oder
  • Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V. Frankfurt
    Kt. Nr. 200081390
    bei Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01
Bleibt mir nur, allen Lesern dieser Zeilen mit etwas Verspätung ein gutes Neues Jahr zu wünschen. Was wir brauchen, ist Frieden. Und dafür müssen wir etwas tun.

Peter Strutynski





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