In eigener Sache (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

"In eigener Sache" 3

Die wichtigsten Mitteilungen vom September 2001 bis April 2002

Unter dieser Rubrik berichten wir in unregelmäßigen Abständen über innere Entwicklungen der AG Friedensforschung an der Universität Gesamthochschule Kassel, die den jährlichen Friedensratschlag veranstaltet, sowie über den "Bundesausschuss Friedensratschlag", der daran unterstützend beteiligt ist.




Kassel, den 16. April 2002

Sumaya Farhat-Naser

Spiegel-online berichtete vor kurzem:
"Die Ironie der Geschichte nahm um Mitternacht ihren Lauf. Die israelische Armee rückte mit Panzern und Truppen in die Universitätsstadt Birzeit im Westjordanland ein und Sumaya Farhat-Naser saß fest. Die palästinensische Intellektuelle wollte am Donnerstag nach Deutschland fliegen, um in Köln eine Laudatio ausgerechnet auf einen Rabbiner zu halten, der mit dem Georg-Fritze-Preis ausgezeichnet werden soll. Außerdem wollte die Professorin, die an der größten palästinensischen Universität in Birzeit lehrt, ihr jüngstes Buch vorstellen, in dem sie die Entwicklung in ihrer Heimat während der vergangenen sieben Jahre schildert. Das Buch könnte nun um ein Kapitel ergänzt werden. Die Friedensaktivistin steht - wie alle Bewohner Birzeits - unter Hausarrest. Vor ihrem Haus patrouillieren israelische Soldaten, in den Straßen kommt es zu Verhaftungen, die Soldaten durchsuchen Haus um Haus, Explosionen sind zu hören und überall auf den Dächern haben Scharfschützen Stellung bezogen."

Als Botschafterin der palästinensischen Sache und Zeugin der bitteren Realität in ihrem Land ist sie längst nicht mehr nur unter Nahostinteressierten bekannt: die palästinensische Friedensaktivistin, Universitätsdozentin und Buchautorin Sumaya Farhat-Naser. Nach ihrer Biografie "Thymian und Steine" (Lenos Verlag, 1995), in der sie das Leben einer Palästinenserin unter der Besatzung und die Anfänge ihres Engagements für den Frieden zwischen Palästinensern und Israelis beschreibt, erscheint in diesen Tagen im Lenos Verlag ihr zweites Buch unter dem Titel "Verwurzelt im Land der Olivenbäume". Darin schildert sie ihre von 1997 bis 2001 währende Arbeit als Leiterin des Jerusalem Center for Women, des Ost-Jerusalemer Zweigs der israelisch-palästinensischen Frauenorganisation Jerusalem Link, und gibt einen Eindruck von den alltäglichen Probleme einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen palästinensischen und israelischen Frauen. Mitte April wollte sich Sumaya Farhat-Naser auf eine Lesereise durch Deutschland begeben, auf der sie ihr Buch persönlich vorstellen wird.

Sumaya war im Dezember 2001 auf dem Friedenspolitischen Ratschlag in Kassel und hat die Teilnehmer/innen mit einer bewegenden Rede tief beeindruckt. Es ist bezeichnend für die Politik der Scharon-Regierung, dass solche Botschafterinnen des Friedens und der Verständigung nicht gern gelitten sind und noch weniger gern als Zeugen des Geschehens ins Ausland gelassen werden. Auch im Dezember schon mussten wir bangen, ob Sumaya ausreisen darf. Auch jetzt hoffen wir für sie, dass doch noch ein Weg gefunden wird, der sie nach Deutschland bringt, um ihre Lesereise durchzuführen (Stationen sollten u.a. Düsseldorf, Köln und Bonn sein).

Nachtrag:
Am 18. April haben wir erfahren, dass Sumaya doch in die Bundesrepublik gekommen ist, um ihre Lesungen zu halten.




Kassel, den 8. März 2002

"Ohne dass der Krieg gestoppt wird, ist gesellschaftliche Weiterentwicklung zu mehr Demokratie, sozialer Sicherheit und nicht nur ökologisch dringend erforderlichen Transformationsprozessen unserer Lebens- und Arbeitsweise nicht vorstellbar", schrieb vor wenigen Tagen Matthias Jochheim (IPPNW) in einem Rund-e-mail, das auch mich erreichte. Aus dieser dramatischen Feststellung leitete er ab, dass in unserer Gesellschaft viel mehr passieren müsse, als zur Zeit erkennbar ist. Der Friedensbewegung attestierte er dabei eine Art "Attentismus" und fuhr fort: "Wir warten dabei allerdings nicht auf bessere, sondern eher auf noch schlechtere Zeiten (die dann die Massen wieder auf die Straßen treiben könnten?). Die Orientierung auf traditionelle, alljährliche Aktivitäten wie die Ostermärsche vermitteln, wenn sie nicht in eine umfassendere Strategie eingebettet werden, auch nur den Eindruck des 'business as usual', der pflichtgemäßen Übung einer mental wehrlosen Opposition. Eine 'Tag X'- Orientierung, bei der wir die jeweils nächste Eskalationsstufe mit unserer betroffenen, erschrockenen und letztlich hilflosen Empörung begleiten, sollte nicht unser letztes politisches Wort zur laufenden Entwicklung sein."

Ich stimme dieser äußerst kritischen Einschätzung zum größten Teil zu. Natürlich muss die Friedensbewegung, wenn sie den zweiten Teil dieses Namens zu Recht führen will, nicht nur gegenwärtigen Fehlentwicklungen entgegentreten, sondern auch drohende Gefahren erkennen und ihnen rechtzeitig Paroli bieten. Nicht nur auf unliebsame außen- und sicherheitspolitische Entscheidungen reagieren, sondern auf den Gang des Geschehens aktiv und gestaltend einwirken: Das ist in der Tat das A und O einer vorausschauenden Friedenspolitik. Was aber, wenn die Friedensbewegung politisch aus einer Position der Defensive und der politischen Schwäche agieren muss? Was, wenn sie immer und immer wieder die Erfahrung machen muss, dass ihre guten Argumente nicht "gut genug" für die herrschende politische Klasse waren und auch sonst die Massen der Bevölkerung nicht wirklich ergriffen haben? Was, wenn uns die Realpolitik eine Kriegsteilnahme nach der anderen zumutet und die Welt friedenspolitisch und völkerrechtlich um Jahre zurückgeworfen wird? Dann, so vermute ich, hilft uns keine "Portion Voluntarismus", die Matthias Jochheim verlangt, sondern die Fortsetzung der Ansätze von Friedenspolitik von unten, die bereits vorhanden sind, sowie deren gezielte Zusammenfassung zu einem größeren Chor im Stimmengewirr des politischen Alltags. Dieser Alltag wird - man mag das bedauern - weitgehend beherrscht von den Medien als der heimlichen vierten Gewalt in modernen Gesellschaften. Auch die gilt es also zu bedienen - nicht voluntaristisch, sondern beharrlich mit Sachinformationen und dem gelegentlichen Nachweis, dass die Forderungen der Friedensbewegung durchaus einen breiten gesellschaftlichen Resonanzboden haben.

Viele Friedensinitiativen auf lokaler und regionaler Ebene entscheiden sich Jahr für Jahr dafür, zu Ostern auf die Straße zu gehen. Meine Erfahrung auch aus Zeiten, in denen es sehr schwer war, die eigenen Leute zu animieren, bei Schnee, Regen und Kälte (manchmal aber auch bei strahlendem Wetter) auf die Straße zu gehen, sagen mir, dass die Ostermärsche bis zum heutigen Tag zu den wichtigsten Artikulationsformen der Friedensbewegung hier zu Lande gehören. Sie werden wegen ihrer Dezentralität fast flächendeckend wahrgenommen, und auch die wechselhafte Beteiligung an ihnen kann ihre inhaltlichen Botschaften nicht aus der Welt schaffen. Die Medien berichten über sie mit jener Routine, die auch die Ostermärsche prägt. Beide haben sich aufeinander eingestellt. Auch das schafft gegenseitiges Vertrauen.

Schlimm wäre es allerdings, wenn man sich mit solchen alljährlichen Umzügen begnügen würde, wenn aus der Routine ein Ritual würde. Dann mutierte die Friedensbewegung zu einem Traditionsverein, den keiner mehr braucht. Diese Befürchtung habe ich indessen noch nie gehabt. Soweit ich sehe, leben die Ostermärsche von ihren aktuellen friedens- und gesellschaftspolitischen Antworten auf die herrschende Politik. Das macht sie inhaltlich so außerordentlich reich - auch wenn man das ihren Formen nicht immer ansieht. Als Gewerkschafter würde ich übrigens auch nie die Berechtigung des 1. Mai in Frage stellen. Fragen würde ich mich allerdings, wie dieser traditionelle Aktionstag der Arbeiterbewegung inhaltlich immer wieder neu belebt werden müsste.

Doch ich wollte an der Stelle eigentlich kein Plädoyer für den Ostermarsch halten (ist auch gar nicht nötig, denn sie werden ja landauf landab vorbereitet), sondern darauf aufmerksam machen, dass die Friedensbewegung über Ostern hinaus denken muss und - hier knüpfe ich wieder an die Anregungen von Matthias Jochheim an - sich über gemeinsame nächste Schritte gegen die geplante Kriegseskalation der USA klar werden muss. Dabei ist der Besuch des US-Präsidenten Bush am 23. Mai in Berlin nur ein Bezugspunkt. Der Krieg gegen Irak (die dritte Phase des US-"Krieges gegen den Terror") kann schon vorher beginnen, er kann aber - wie manche Experten glauben - auch erst im Sommer inszeniert werden. Und er muss verhindert werden - im Interesse der Menschen im Irak, die wieder als erste massenhaft darin umkommen würden (so wie sie seit Jahren infolge des unmenschlichen Embargos sterben), im Interesse der Palästinenser und Israelis, denen im Fall eines neuen Kriegsschauplatzes in der Nachbarschaft jede Chance zu einem Frieden genommen würde, und im Interesse des Weltfriedens, denn wir alle wissen um die außerordentliche Sensibilität und Explosivität des energiereichen Nahen Ostens! Der US-"Krieg gegen den Terror" muss gestoppt werden. Es ist nicht unser Krieg, der hier geführt wird, Mr. President! Es ist auch nicht der Krieg der Europäer. Europa muss aber erst noch davon überzeugt werden, dass es sich bislang in eine falsche "unbeschränkte Solidarität", in eine fatale Abhängigkeit von der einzigen Supermacht begeben hat.

Über Ostern hinaus gehen: Das heißt schon vorher darüber beraten, was getan werden kann, um jene größere gesellschaftliche Allianz zu schmieden, die nötig sein wird, um auch die Berliner Regierung aus der babylonischen Gefangenschaft mit den USA zu lösen. Die Aktionsberatung, zu der der Bundesausschuss Friedensratschlag für den 17. März nach Kassel eingeladen hat, könnte ein wichtiger Impuls für eine breitere friedenspolitische Initiative werden. Ich würde mir wünschen, dass dieses Angebot auf eine große Resonanz stößt.

Peter Strutynski

Hier noch einmal die Daten zur Aktionskonferenz der Friedensbewegung:
Sonntag, den 17. März, 12 bis 17 Uhr im Gewerkschaftshaus in Kassel (Spohrstr. 6)




Kassel, den 10. Februar 2002

Ich glaube nicht, dass ich an dieser Stelle auf die bevorstehenden Ostermärsche hinweisen muss. Sie werden überall im Land (oder jedenfalls da, wo es funktionierende Friedesninitiativen und -bündnisse gibt) vorbereitet und bedürfen kaum zentraler Fürsprache. Auch sind in den letzten Jahren jene Stimmen leiser geworden, die seinerzeit noch davon sprachen, Ostermärsche seien nicht mehr "zeitgemäß", wären "ritualisiert" und würden nur wenige Menschen ansprechen. Letzteres mag sogar richtig sein. Doch ist das nicht unbedingt ein Argument gegen die Ostermärsche an sich, sondern eher eine Aufforderung an die Ostermarschierer, neue Ideen in die Demos und Kundgebungen hineinzutragen, insbesondere zu überlegen, wie die Ostermärsche auch für jüngere Menschen attraktiver gestaltet werden könnten.

Vor wenigen Tagen erhielt ich eine Anfrage, mit welchen "zentralen Losungen" die Ostermärsche in diesem Jahr die deutschen Straßen beleben würden. Die Antwort ist eine zweifache. Erstens: Es gibt keine "zentralen Losungen", weil sich die deutsche Friedensbewegung nicht um ein "Zentrum" herum organisiert hat, sondern aus vielen unterschiedlichen Organisationen, Traditionen, Initiativen und Strömungen besteht. Es kann nicht genug betont werden, dass dieser Umstand keine Schwäche, sondern eine Stärke der Friedensbewegung ist. Zweitens: Dennoch war in den letzten Jahren zu beobachten, dass die vielgestaltige und bunte Friedensbewegung auf wundersame Weise eine gemeinsame Sprache und Politik entwickelt hat. Im letzten Jahr waren es die Einsatzkräfte der Bundeswehr, die zum Hauptthema der Ostermärsche von Kiel bis zum Bodensee und von Frankfurt an der Oder bis nach Aachen gemacht wurden. "Kriege verhindern - Einsatzkräfte auflösen" hieß der Appell, den sich die Friedensbewegung fast ausnahmslos zu eigen gemacht hatte. Und es ist unschwer zu erraten, welche Themen und Forderungen heuer die Kundgebungen bestimmen werden. Die Bekämpfung des Terrorismus ohne Krieg wird ein Thema sein und die Friedensbewegung wird ihre Hauptkritik an der verheerenden Kriegspolitik ŕ la Washington und der angemaßten Militär-Weltmachtrolle Deutschlands formulieren. Gleichfalls wird der schmutzige Krieg im Nahen Osten eine große Rolle spielen. Dabei vertritt die Friedensbewegung hier zu Lande die Positionen und Forderungen ihrer israelischen und palästinensischen Freunde. Der Friedensratschlag hat dies des öfteren dokumentiert.

Dass die Anzeige gegen die Bundesregierung wegen ihrer Beteiligung am Afghanistan-Krieg vom Generalbundesanwalt zurückgewiesen wurde, hat sich herumgesprochen. Dennoch wird zu überlegen sein, ob es nicht angebracht ist, eine Beschwerde dagegen einzureichen. Heute fand dazu ein Gespräch mit dem Berliner Anwalt Ulrich Dost statt, der auch die Schadensersatzklage gegen die Bundesrepublik wegen des Luftangriffs auf die Brücke von Varvarin (Jugoslawien) am 30. Mai 1999 angestrengt hat. Auch diese Klage bedarf noch der Unterstützung, damit sie ins Hauptverfahren gehen kann. Beide juristischen Auseinandersetzungen sind für die Entwicklung der Bundesrepublik und des internationalen Rechtssystems von großer Bedeutung. Daher werden wir uns weiterhin damit befassen und bei nächster Gelegenheit über den neuesten Stand informieren.

Peter Strutynski




Kassel, den 21. Dezember 2001

Die politischen Turbulenzen hören nicht auf. Das, was allgemein als "Krieg gegen den Terror" deklariert wird, wird, wenn nicht alles täuscht, demnächst eine neue Stufe erreichen und sich auf einen anderen Schauplatz verlagern. In der Bundesrepublik etabliert sich ein neues Verständnis von außenpolitischer "Normalität", das auf ein Zeitalter permanenter Krisen und Kriegsbeteiligungen verweist und strukturell mehr Ähnlichkeit mit dem Beginn des militaristischen 20. Jahrhunderts aufweist als mit einem zivilisatorischen Neuanfang des 21. Jahrhunderts.
Weiterhin werden demnach kritischer Sachverstand und friedenspolitisches Engagement benötigt. Die AG Friedensforschung an der Universität Gesamthochschule Kassel, die diese Website betreut, ist also genauso gefordert wie der Bundesausschuss Friedensratschlag, der sich kontinuierlich um eine Koordinierung friedenspolitischer Basisaktivitäten auf Bundesebene bemüht. Dabei sind beide auf die Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Friedensarbeiter/innen angewiesen. Was viele nicht wissen: Auch der Bundesausschuss Friedensratschlag arbeitet ausschließlich ehrenamtlich. Er verfügt weder über ein eigenes Büro noch über eine bezahlte hauptamtliche Stelle. Alles was er hat, ist eine - gute - Adresse (DGB, Spohrstr. 6, 34117 Kassel) und zwei Spendenkonten, worauf man sein Geld steuerabzugsfähig anlegen kann. Nennen wir sie doch bei der Gelegenheit einmal:
  • Kasseler Forum für den Frieden e.V.
    Kt.Nr. 065508
    bei Kasseler Sparkasse; BLZ 520 503 53
  • Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.
    Kt.Nr. 200081390
    bei Frankfurter Sparkasse; BLZ 500 502 01
Wir wollen nicht behaupten, dass die ausschließliche Ehrenamtlichkeit ein Wert an sich ist. Sie bewahrt natürlich vor Bürokratisierung und vor finanziellen oder anderen Abhängigkeiten. Das ist zweifellos positiv. Auf der anderen Seite erschwert sie mitunter eine kontinuierliche und in Teilen auch professionalisierte Arbeit. Das kann gerade in Zeiten wie diesen, wo es auf schnelle Reaktionen und organisatorische Leistungen ankommt, schon einmal hinderlich werden. Der Bundesausschuss Friedensratschlag wird sich mit diesem Dilemma befassen müssen. Die Friedensbewegung erwartet einfach ein gewisses Maß an Professionalität und organisatorischer Zuverlässigkeit!

Noch ein Wort zu unserer Homepage:
Auch wenn die Mitarbeit der "Besucher" sich erhöht hat: Wir sind noch längst nicht da, wo wir sein könnten. Gefragt ist die Übernahme bestimmter inhaltlicher Verantwortlichkeiten. Menschen - das müssen nicht immer Wissenschaftler sein! -, die in bestimmten Sachbereichen über besondere Kenntnisse verfügen (z.B. in einzelnen friedenspolitischen Themengebiete oder Ländern/Konflikten), sollten keine Scheu haben und sich uns zu erkennen geben. Inzwischen hat sich ein eigenes Profil unserer Website herauskristallisiert. Es wird noch schärfer und gehaltvoller, wenn sich mehr Expertinnen und Experten daran beteiligen. Rückmeldungen bitte an: strutype@hrz.uni-kassel.de (Peter Strutynski).




Kassel, den 10. November 2001

Lob von terre des hommes

Gerade erreichte und ein e-mail vom Kinderhilfswerk terre des hommes Deutschland, das wir unseren Website-Besuchern nicht vorenthalten wollen. terre des hommes schrieb:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
wir möchten uns seitens des entwicklungspolitischen Kinderhilfswerks terre des hommes Deutschland e.V. herzlich für euer Online-Info- Angebot bedanken. Es hat uns gerade in den letzten Wochen als Informationsquelle wichtige Dienste bei der eigenen Debatte und Positionsfindung geleistet.
Da wir mit unserer Projektarbeit in Afghanistan direkt von der militärischen Entwicklung im Land betroffen sind, haben wir uns unmittelbar nach dem Beginn der US-Militärschläge öffentlich für ein Stopp des Bombardements eingesetzt und stattdessen politische Lösungen eingefordert, da aus unserer Sicht, die fortgesetzten US- Angriffe die ohnehin extreme humanitäre Lage nur verschlimmern, und eine weitere Versorgung der Hilfsbedürftigen im Lande verunmöglichen.
Unsere politische Postion haben wir in einem aktuellen Papier zusammengefasst, dass ihr beiliegend im Format PDF findet. Wir möchten euch herzlich bitten, dieses in geeigneter Form auf eurer Web- Site zu veröffentlichen. (Das Papier befindet sich inzwischen auf unserer Homepage, Anmerkung des Webmasters.)
Unsere Position haben wir übrigens am 08.11.2001 auch den Abgeordneten des Deutschen Bundestages mitgeteilt.
Weitere Informationen über unsere Arbeit in Afghanistan und unsere Organisation findet ihr auch unter http://www.tdh.de Sowie in Englisch unter http://www.tdhafghanistan.org
Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg bei euren Aktivitäten, mit besten Grüßen
i.A. Volker Bajus
terre des hommes Deutschland e.V.

Der Brief ist uns Ansporn, unser Informationsangebot auszuweiten und qualitativ noch zu verbessern.
Gleichzeitig wollen wir auf die Möglichkeit hinweisen, Geld für die Zivilbevölkerung in Afghanistan zu spenden, das mit Sicherheit an die richtige Adresse kommt. terre des hommes hat ein Spendenkonto eingerichtet:

terre des hommes: Kennwort "Afghanistan"
Kt. Nr. 700; Volksbank Osnabrück; BLZ 26590025





Kassel, den 3. November 2001

Seit zwei Jahren existiert nun die Homepage des "Friedenspolitischen Ratschlags" im Netz. Es war für uns schwer abzusehen, ob die Kapazitäten ausreichen, dauerhaft eine inhaltsreiche und aktuelle website herzustellen und ob das Angebot überhaupt angenommen wird.

Heute sind wir etwas schlauer. Der statistische Bericht über die Zugriffe auf unsere Homepage und über die Nutzer, den wir für den Monat September erhalten und ausgewertet haben, ist Ansporn, den beschrittenen Weg weiter zu gehen. Hierzu ein paar Fakten:

Allein im Monat September wurde unsere Homepage rund 160.000 Mal angewählt. Darunter waren immerhin 113.000 "echte" Seitenanfragen, d.h. es wurden einzelne Artikel aufgerufen. Der größte Ansturm war am 13. September, also zwei Tage nach den Terroranschlägen, zu verkraften: An diesem Tag gab es knapp 12.000 Anfragen, darunter über 8.000 Seitenanfragen. Im Monatsdurchschnitt gab es pro Tag gut 5.300 bearbeitete Anfragen, darunter rund 3.800 bearbeitete Seitenanfragen.

Die Statistik gab auch darüber Auskunft, dass im September insgesamt 1.328 unterschiedliche Dateien verlangt wurden. Mit anderen Worten: Unsere Homepage hat inzwischen doch einen passablen Umfang in quantitativer Hinsicht erhalten. Natürlich hoffen wir, dass mit dem Wachstum auch die Qualität der Beiträge mithalten kann.

Wie viele Nutzer haben auf die Homepage des "Friedensratschlags" zugegriffen? Es waren im September exakt 28.831 Menschen. Und die kommen aus sage und schreibe über 80 Ländern der Erde. Außerhalb Deutschlands waren das vor allem Österrreich und die Schweiz (jeweils ca. 5.500 Anfragen), es gab aber auch sehr starkes Interesse aus den nicht-deutschsprachigen Ländern USA, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Spanien, Italien, Frankreich, Japan, Schweden, Griechenland und Kanada. Dass auch Nutzer aus Tuvalu, Tonga oder von den Kokos-Inseln dabei waren, erwärmt das Herz des Webmasters genauso wie die 2 (versehentlichen?) Zugriffe aus dem Vatikan. Was es indessen bedeutet, dass der Militärbereich der USA 85 Mal versucht hat, unsere Seiten anzuzapfen, bleibt zunächst genauso im Dunkeln wie die Zugriffe aus Saudi-Arabien oder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit Erleichterung haben wir registriert, dass Afghanistan kein Interesse an unserem Angebot zeigte.

Die Nutzer aus Deutschland lassen sich anhand der Domänennamen natürlich nicht räumlich verorten. Feststellen lässt sich lediglich, dass es regen Zuspruch aus dem universitären Bereich gab. Die meisten Nutzer aus den insgesamt identifizierten 45 Hochschulen kamen aus Gießen, gefolgt von der RWTH Aachen, der Uni Hannover, TU Berlin, Uni Münster, Uni Köln, TU Darmstadt, Uni Hamburg, FU Berlin, Uni Freiburg, Uni Saarbrücken, HU Berlin, Uni Frankfurt, Uni Bielefeld.

Und wie sah die Hitliste der Dateien aus, die angeklickt wurden? Am häufigsten - wen wundert's? - wurden die Artikel über Afghanistan nachgefragt, gefolgt von Beiträgen über die NATO-Strategie, über den Nahostkonflikt und zum Thema Terrorismus. Die Seite "Privatkriege" sowie die Seiten zu Israel und Palästina lagen ebenfalls gut im Rennen. Erstaunlicher war da doch, dass der Beitrag über die 10 außenpolitischen "Todsünden" der Bundesregierung aus dem vergangenen Jahr mit 560 Zugriffen sich immer noch großer Beliebtheit erfreute. Danach kamen Artikel über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien (alo auch schon älteren Datums), über Makedonien und die Bundeswehr, über den Islam, über Nordirland, Menschenrechte, Embargo, Rüstungsexport usw. - die Liste ist unerschöpflich.

Eine Schlussfolgerung daraus lässt sich ableiten: Die große Themenbreite und der Aufbau der Länder/Regionen-Seiten (mittlerweile haben wir über 70 Staaten und Regionen im Angebot) sind ein Qualitätsmerkmal unserer Homepage. Hier können gute und wichtige Informationen abgerufen werden, an die man sonst nur schwer herankommt. Und wenn sie dann noch aktuell sind: umso besser! Häufig wird z.B. unsere Presse-Seite aufgeschlagen, weil dort - zu Recht - doch am ehesten aktuelle Erklärungen vermutet werden.

Übrigens: Die Seite, die Sie gerade lesen, wurde im September 359 Mal aufgerufen, unser "Zitat der Woche" sogar 411 Mal.

Vor einem Jahr haben wir unsere Leser aufgefordert, uns mit interessanten Hintergrundberichten und mit Material für die Homepage zu unterstützen. Davon wird immer noch zu wenig Gebrauch gemacht. Beteiligt Euch/Beteiligen Sie sich! Auch für (Nachwuchs-)Wissenschaftler aus dem Bereich der Friedensforschung, der Politikwissenschaft, der Geografie oder anderer Disziplinen dürfte es reizvoll sein, Ergebnisse der Arbeit einem größeren Publikum in aller Welt zu präsentieren.

Peter Strutynski




Kassel, den 26. September 2001

Mazedonien? Da war doch mal was! Naher Osten, Israel und Intifada? Interessiert im Augenblick nicht! US-Raketenabwehr? Nicht so wichtig!
Die fürchterlichen Terroranschläge von New York und Washington am 11. September 2001 haben uns völlig aus dem friedenspolitischen "Alltag" gerissen. Vieles muss jetzt warten. Auch die Vorbereitung des nächsten Friedenspolitischen Ratschlags am 1. und 2. Dezember (keine Angst, er wird natürlich stattfinden) ist vorübergehend ins Stocken geraten, zumal sich neue Aspekte ergeben, die in das Programm eingearbeitet werden müssen. Außerdem haben wir in der Zwischenzeit, sozusagen von einem Tag auf den anderen, einen sehr gut besuchten außerordentlichen Ratschlag abgehalten, eine "Aktionskonferenz der Friedensbewegung", die sich mit den Folgen der Terrorattentate befasste und auf der einige Vereinbarungen getroffen wurden.

So wurde etwa vereinbart, dass an dem Tag, an dem die USA Afghanistan oder irgend ein anderes Land angreifen wird, die Friedensbewegung im ganzen Land zwischen 17 und 18 Uhr auf die Straße gehen wird um Kundgebungen oder Mahnwachen abzuhalten. Zum zweiten wurden für den 13. Oktober zwei Demonstrationen beschlossen: eine bundesweite Demo in Berlin und gleichzeitig eine Aktion in Stuttgart. Die Zeit bis dahin ist knapp. Viel zu tun also für die ehrenamtlichen Aktivistinnen und Aktivisten der Friedensbewegung, gleichgültiog ob sie vor Ort arbeiten (z.B. Busse bestellen oder ausbaldowern, wie man am besten mit dem 40-Mark-Ticket nach Berlin und wieder zurück kommt), oder ob sie mit der Organisation der Demos selbst beschäftigt sind.

Eines ist auch anders geworden. Die Medien sind wieder auf die Friedensbewegung zugegangen. Hämische Fragen wie die nach dem Verbleib der Friedensbewegung (siehe "In eigener Sache vom 18. August) werden diesmal - bisher - nicht gestellt. Stattdessen eher die Erwartung, dass jetzt wieder größere Aktionen kommen werden.

Sie müssen auch kommen, und wenn nicht alles täuscht, sind sie auch schon da. Denn wenn ich es richtig sehe, steht die Menschheit wirklich am Beginn einer sehr ernsten krisenhaften, ja, kriegerischen Entwicklung, die in einen Aggregatzustand des "permanenten Krieges" (Umberto Eco) übergehen kann. Was sich aus dem gewaltigsten Truppenaufmarsch, den die Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesehen hat, ergeben kann, wird an Wucht und Folgenreichtum alles bisherige in den Schatten stellen.

Es wird ein langer Krieg der USA werden - und es wird ein langer Kampf gegen den Krieg werden. Der Friedensbewegung hier zu Lande wird dabei zugute kommen, dass die Bereitschaft zur Kriegsteilnahme nicht eben groß ist. Das Wort von der "Besonnenheit" - es befand sich bereits in der ersten Friedenserklärung nach dem 11. September, in der Stellungnahme der NaturwissenschaftlerInnen-Initiative - machte in Deutschland und in Europa die Runde und drückt eine eher skeptische Haltung gegenüber jeglichem militärischem Säbelgerassel aus. Lassen wir aber auch nicht zu, dass die Bevölkerung mit diesem Begriff nur beruhigt, eingelullt werden soll.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung machte sich vor kurzem darüber Gedanken, ob nun eine neue Friedensbewegung entstehe. Viele junge Menschen engagieren sich - zum ersten Mal seit dem Golfkrieg - in großer Zahl bei Demonstrationen oder tun sich spontan in Aktionsbündnissen zusammen und lassen so manche "etablierte" Friedensinitiative buchstäblich alt aussehen. Das ist gut so. Noch besser wäre es aber, wenn sich die "Alten" und die Jungen zusammentäten und gemeinsame Sache machten. Denn eines ist auch gewiss: Wir werden alle Kräfte und zudem einen sehr langen Atem brauchen, wenn wir der Kriegsmaschine von USA und NATO Einhalt gebieten wollen.
Peter Strutynski



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